Leben Wirtschaft

Wohnungssuche mit Hindernissen

In Hennef wird gebaut und gebaut. Die Nachfrage nach Wohnungen nimmt immer mehr zu. 2018 liegt der Mietspiegel für eine 60 m² Wohnung in Hennef bei 9,07 Euro/m². Damit liegt Hennef über dem deutschen Durchschnitt von 7,64 Euro/m². Auch im Vergleich zur nächstgrößeren Stadt Köln liegt die Differenz nur bei 3 Euro/m². Aber wie einfach ist es, eine Mietwohnung in so einer beliebten Wohngegend zu beziehen?

„Schwieriger als gedacht“, berichtet Frank M. aus Neunkirchen-Seelscheid, der gerne nach Hennef ziehen würde. Da sein Arbeitsplatz in Hennef liegt, wäre es praktischer, auch in Hennef eine Wohnung zu beziehen. „Damit spart man sich die Fahrerei und tut dabei was Gutes für die Umwelt.“ Er bevorzugt die Stadt an der Sieg aber nicht nur wegen der günstigeren Lage: „Hennef hat eine tolle Bahnanbindung. Wenn man gerade mal nicht mit dem Auto fahren möchte, kommt man schnell in größere Städte.

Aber auch die schönen Grünflächen, wie beispielsweise die Wiesen um den Allner See sind super, wenn man mit dem Hund spazieren möchte.“ Und tatsächlich bietet Hennef mit dem Allner See und der Siegpromenade eine Vielzahl an Möglichkeiten, seine Freizeit etwas grüner zu gestalten. Doch dabei ist immer die Rede vom Hennefer Zentrum. Aber Hennef ist bekanntlich auch die „Stadt der Hundert Dörfer“. Söven, Uckerath und Lichtenberg sind nur einige Beispiele für Dörfer, die zu Hennef gehören und auch Baupotenzial haben, aber dieses noch nicht ausgeschöpft haben.

Was tut die Stadt?

Die Stadt Hennef ist sich dessen bewusst, deswegen möchte die SPD in der Stadt Hennef eine nachhaltige Stadtentwicklung fördern, damit in den angrenzenden Dörfern neu gebaut werden kann. „Dadurch sollen junge Familien die Möglichkeit haben, auch in Dörfer zu ziehen“, so die beiden SPD-Ratsmitglieder Axel Precker und Mario Dahm bei einer Ratssitzung im Hennefer Rathaus.

Aber auch gegen den Mangel an Sozialwohnungen möchte die Stadt Hennef etwas unternehmen. Das Grundstück Am Kuckuck wurde an einen Investor verkauft, der zwei zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschoss und Tiefgarage bauen möchte. Mit diesem Bau wird dafür gesorgt, dass Menschen mit geringen Einkommen oder einer kleinen Rente, Alleinerziehende und junge Familien preisgünstig und zentrumsnah wohnen können. Das Sozialamt wird nach der Fertigstellung des Grundstücks das Belegungsrecht übernehmen. Der Beginn des Baus und das Datum der Fertigstellung sind noch nicht bekannt.

Ein langwieriger Suchprozess

Es gibt viele Möglichkeiten, sich nach freistehenden Wohnungen zu erkunden. Das Internet ist breit gefächert mit Immobilienseiten wie ImmobilienScout24, immowelt, immonet. Aber viele Menschen bevorzugen den Weg zum Immobilienmakler, der besser ausgestattet ist und Fachkenntnisse hat. Auch Wohnungsbesichtigungen werden von ihm durchgeführt.

Die Antwort, mit der sich Wohnungssuchende in Hennef bei Immobilienbüros zufriedengeben müssen, entsprechen leider nicht immer den eigenen Wünschen. Frank F. erging es ähnlich. „Man solle sich doch was außerhalb von Hennef angucken. Als wäre die Suche nach einer 3-Zimmer-Wohnung für eine junge Familie nicht schon schwer genug, da raten die einem auch noch weiter wegzuziehen, obwohl man das genau nicht möchte“, erklärt er mit niederschmetternder Stimme.

„Wenn man dann mal was gefunden hat, steht der Besichtigungstermin an, der meistens auch nicht besser verläuft.“ Viele Vermieter vermeiden es, Wohnungen an junge Familien zu vermieten. Zudem kommt noch, dass Frank F. Alleinverdiener ist und Vermieter dabei eher zurückschrecken. „Zu groß sei das Risiko, dass die Wohnung irgendwann nicht mehr bezahlt werden kann und der Vermieter müsse die Wohnung erneut vermieten“, berichtet Frank F. Dass also die Einstellung eines Vermieters und Empathie großen Einfluss auf die Zukunft einer jungen Familie haben kann, steht wohl außer Frage.

Dieses Schicksal ist jedoch kein Einzelfall. Man kann also festhalten, dass selbst die Wohnungssuche in einer relativ kleinen Stadt nicht so einfach ist, wie die meisten es sich vorstellen. Aber Hennef versucht viele Schritte in die richtige Richtung zu machen. Man kann nur hoffen, dass dadurch die Wohnungssuche für Frank F. und seine Familie und für alle anderen Wohnungssuchenden in Zukunft erleichtert wird.

Eine Reportage von Sara Todorovic im Rahmen des Projektkurses EINBLICKE am Städtischen Gymnasium Hennef.

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