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Eindringling: Riesenbärenklau

Eindringling: Riesenbärenklau

Warum ist diese Pflanze schädlich? Macht es Sinn, sie zu vernichten?

Ein Anruf und das Umweltamt wurde alarmiert. Anscheinend hat ein Anwohner einen Riesenbärenklau in seinem Garten entdeckt. Jetzt würde sich jeder zivilisierte Bürger denken, man könnte die Pflanze einfach so vernichten. Nun, dies klappt nicht ganz so gut, wie man es sich es vorstellt. Es müssen extra spezielle Leute für die Bekämpfung vorbeikommen. Zudem wäre es nur von Vorteil, wenn es nur die richtige Pflanze wäre. Viele verwechseln die Pflanze mit dem einheimischen Wiesen-Bärenklau. Der ist im Gegensatz zum Riesenbärenklau unschädlich für den Menschen.

Dies bezeugt Jörn Lohmann vom Umweltamt Hennef. Herr Lohmann ist zuständig für die Bekämpfung des Riesenbärenklaus und generell der Ansprechpartner für Umweltfragen. Er geht davon aus, dass man nie die Pflanze hundertprozentig vernichten kann. Damit die Umwelt weniger belastet wird, kann man trotzdem die Anzahl der Pflanzen minimieren. 
Um der Verbreitung entgegenzuwirken, bittet die Stadt Hennef, dass sich viele Bürger der Bekämpfung anschließen. Es ist zugleich eine Verbesserung der einheimischen Flora und bietet beispielsweise auch eine gewisse Sicherheit an Spielplätzen für Kinder. 


Der Grund für den Aufruf ist die neue Methode, mit der man den Riesenbärenklau einfacher vernichten kann. „Es wurde angeblich einmal erfolgreich angewendet“, grübelte Herr Lohmann. Bei dieser Methode wird etwa fünfzehn Zentimeter unterhalb des Bodens die Staude abgetrennt. Nur das Phänomen dabei ist, dass Schnecken den Rest der Wurzel fressen und somit die Pflanze nicht mehr vegetieren kann. „Das wäre für alle Beteiligten viel einfacher“, begründet Herr Lohmann.

Der Riesenbärenklau wird auch Herkulesstaude genannt und stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Er kam bereits im 19. Jahrhundert nach Europa und breitet sich immer weiter aus. Die Staude kann mindestens zwei bis zu vier Meter hoch wachsen. Die Vermehrung geschieht über die Samen, die jeweils über das Wasser und die Fauna verteilt wird. Wenn der Riesenbärenklau erstmals ausgewachsen ist, können sie bis zu 50.000 schwimmfähige Samen bilden.

Diese Samen können unter optimalen Bedingungen bis zu zehn Jahre keimfähig sein, allerdings keimen sie nur in der Sonne. Die Hauptverbreitungswege sind Überschwemmungsgebiete und Verkehrsanlagen entlang an Straßen und Gleisen. Zusätzlich werden die Samen über Erdbewegungen, Baumaßnahmen, Schälen von Straßen verteilt. Zudem wurden sie vor knapp hundert Jahren über den Menschen bewusst verbreitet, indem sie die Pflanzen im Garten züchteten oder auch als Bienenweide verwendeten. 


Die einheimischen Pflanzen leiden sehr unter vielen nichteinheimischen Arten. Der Riesenbärenklau hat relativ schwaches Wurzelwerk und lässt es an den Ufern der Sieg zu leichten Erdabtragungen kommen. Dies verursacht eine Instabilität im Erdreich und macht es den einheimischen Pflanzen schwer zu wachsen. 


Die Staude kann dem Menschen erheblichen Schaden zufügen, denn der Wirkstoff der Pflanzensäfte reagiert auf der Haut mit dem Sonnenlicht. Es verursacht Rötungen bis hin zu Brandblasen. Nach erstem Hautkontakt sollte man Sonnenlicht unbedingt vermeiden und sofort die Hautstelle mit Wasser und Seife reinigen. Zudem wäre es gut, zur Kontrolle nochmal einen Arzt aufzusuchen und regelmäßig Sonnencreme auf die Stelle zu schmieren.

Mit der Bekämpfung fing es 2009 an im Rhein-Sieg-Kreis. Es hielt bis 2013 an und wurde von der Naturschutzbehörde als erfolgreich eingestuft. Grundsätzlich lassen die Städte den Riesenbärenklau am Verkehr entfernen, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Allerdings wurden die Maßnahmen zur Bekämpfung eingestellt, da die Bezirksregierung Köln die langfristige Förderung abgelehnt hatte. Dennoch sieht die oberste Verwaltungsbehörde, dass die Herkulesstaude in den Naturschutzbereichen entfernt werden sollte, nur ist die Landesförderung nicht erschwinglich.

Auch wenn die Bekämpfung aussichtslos erscheint, versucht man trotzdem, neue Techniken und Vorgehensweisen zu finden, um der Plage ein Ende zu setzen und der Herkulesstaude endgültig den Garaus zu machen. So hofft das Umweltamt, dass viele Leute bei der Bekämpfung im Mai dabei sind.

Der Weg war umsonst. Es war der Wiesen-Bärenklau, der keinerlei Gefahr für die Anwohner darstellt.

Eine Reportage von Paul Kunkel im Rahmen des Projektkurses EINBLICKE am Städtischen Gymnasium Hennef.

Foto: miss_mafalda | Fotolia.com