Wirtschaft

Die Holzpiloten: Unternehmer aus Hennef

Holzpiloten – Unternehmer aus Hennef

In Hennef-Hossenberg hat sich eine Möbelmanufaktur gegründet, die ihre Maßanfertigungen über das Internet vertreibt. Wir haben die Holzpiloten Stefan (Marketing) und Timm (Schreiner & Schlosser) in ihrer Schreinerei besucht und mit ihnen gesprochen: über den ungewöhnlichen Namen, ihre Vernetzung in der Region, und warum Influencer für ihr Onlinemarketing nicht so wichtig sind.

Seit wann gibt es die Holzpiloten?

Stefan: Die Holzpiloten gibt es seit Januar 2018. Ganz frisch eigentlich noch …

Wieso eigentlich Holzpiloten – wie kamen Sie auf den Namen?

Timm: Der war noch frei (grinst). Spaß beiseite, heutzutage musst Du ja wirklich gucken, ist der Wunschname noch frei. Also ist der auf Amazon noch frei, auf Ebay noch frei, ist die Domain noch verfügbar, und wie sieht die Konkurrenz aus.

Wir konkurrieren mit dem Namen tatsächlich nur mit Holzpiloten, also die Dinger. die ins Wasser kommen (lacht). Das war ganz okay und es ist auch ein cooler Name … Holzpiloten … der erzeugt auch gleich ein Bild.

„Sprechende“ Firmennamen und eine gute Geschichte sind heute ja wichtig …

Stefan: Genau! Wir sind zum Beispiel auch noch in Connection mit den Jungs hier vom Hangelarer Flughafen. Da wollen wir auch noch Fotos machen, unsere Produkte auf das Flugfeld und in den Hangar stellen. Und ich habe noch einen Kollegen, der ist hinten in Bergheim an einer Segelflugschule. Dort gibt es original alte Holzsegelflieger. Du brauchst das Thema nicht mit einem Dampfhammer zu spielen, aber ich denk’, mir halt, wenn das zwischendurch mit reinfliesst, kann das ganz gut sein.

Möbelanbieter gibt es eine Menge im Internet. Warum haben Sie das Unternehmen trotz der großen Konkurrenz gegründet?

Timm: Nein, also es gibt da nicht jede Menge. Im Prinzip gibt es zwei Mitbewerber. die im ähnlichen Segment unterwegs sind wie wir. Bei denen haben wir früher mal gearbeitet. Das, was wir mit den Holzpiloten haben, gibt es so oft garnicht. Wenn Du mal genau suchst, wo bekomme ich Möbel auf Maß, und wie sehen diese Möbel aus, wirst Du schnell bemerken, dass das Angebot sehr überschaubar ist.

In Onlineshop finde ich vor allem Tische, bei denen ich aus den Holzsorten Eiche, Buche, Nussbaum und Eiche Altholz wählen kann. Wie geht es weiter?

Timm: Da kommen auch noch einige dazu, wir sind ja noch mitten im Aufbau. Wir haben jetzt gerade erstmal rund 250 Tische drin, aber da kommen noch wesentlich mehr dazu. Meine Zielsetzung ist, bis Jahresende mindestens 1.000 Produkte im Angebot zu haben. Es sollen noch wesentlich mehr werden. Neben Tischen kommen dann auch noch andere Möbel dazu, wie beispielsweise Sideboards und Lowboards.

Stefan: Dazu Schreibtische, Couchtische und vieles mehr.

Holzpiloten – Unternehmer aus Hennef

Das heißt Ihr Shop wird kontinuierlich wachsen?

Stefan: Ja. Um Onlinerelevanz herzustellen ist unserer Taktik, dass wir tatsächlich sofort live waren, sprich heiß losgelaufen sind. Wir haben nicht in Ruhe einen Shop gebaut und sind dann live gegangen, sondern wir sind schon im Februar gestartet mit einem Shop im rudimentären Stadium, ohne Bilder, einfach nur mit Produkten. Und sich halt produktiv dem Thema zu nähern; sprich wir machen aktuell Esstisch. und da gehen wir relativ tief.

Wir haben zwei, drei Lampen drin, ein paar Stühle, aber das wird jetzt auch mehr. Um dann nach unten raus, wenn wir tatsächlich dafür Google-Relevanz erzeugt haben, dann in die Breite zu gehen und zu sagen, was passt noch dazu. Der Couchtisch, der Schreibtisch, vielleicht ist es dann irgendwann das Sideboard und so weiter und so fort. Aber erstmal ein Segment, damit die Maschine uns versteht.

Wird es bei den Holzpiloten auch Tropenhölzer geben?

Timm: Es wird Teakholz geben, aus kontrolliertem Anbau natürlich. Ansonsten vielleicht auch Akazienholz, aber da achten wir schon sehr auf Labels.

Stefan: Im Massivbausegment sind natürlich Nachhaltigkeit und CO2-Fußabdruck wichtige Themen. Wir stehen aktuell in Kontakt mit PRIMAKLIMA. Als nächsten Schritt wollen wir unser Unternehmen CO2-neutral gestalten, um von denen zertifiziert zu werden. Wir werden dann parallel für jeden ausgelieferten Tisch, zum Beispiel in der Größenordnung ab Betrag xyz, tatsächlich einen Baum pflanzen. Wir wollen auf dieses Thema einzahlen, um nicht zu hören ‚ihr holzt nur ab‘, sondern wir geben auch was zurück.

Sie sind sehr stark in den sozialen Netzwerken unterwegs. Finden Sie dort – gerade für etwas höhenwertige Produkte – Ihre Kunden?

Stefan: Dafür sind sie nicht da. Sondern es geht uns um Awareness und Reichweite. Ich glaube wirklich, dass wir am Puls der Zeit sind. Facebook ist für uns ein Kanal, aber eher für Zweitverwertung. Unsere Hauptkanäle liegen tatsächlich in drei sozialen Netzwerken: Das sind Instagram, Youtube und Pinterest. Die Bildsprache ist das, was rockt, speziell bei unserem Thema.

Wir versuchen, durch geeignete Social-Media-Maßnahmen – wir sind gerade in dem Bereich Backlinkaufbau und Influencer – uns etwas reinzuholen. Aber das auch immer im Verhältnis. Wie Timm gerade sagte, man muss auch immer gucken, passt das jetzt zueinander beziehungsweise, was bringt das nachher.

Ich glaube, am Ende des Tages ist es so, wir müssen die Leute , die geeignete Zielgruppe, irgendwie auf die Seite bringen und dazu bringen, dass die zuschlagen. Und das tun wir nicht, indem wir irgendwelchen Lets-Playern auf Youtube einen Tisch hinstellen und die eine Zielgruppe haben, die dann auf die Seite kommen und uns sagen „A: brauche ich nicht“ und „B: selbst wenn ich es bräuchte, sind mir 3.000 Euro zu viel“.

Tendenziell ist unsere Taktik jünger anzusetzen von der Zielgruppe, um mit der Zielgruppe zu wachsen. Wir sagen, das ist ein Projekt, was sehr wahrscheinlich seinen Break-Even nach drei bis vier Jahren erreicht. Das ist das erste Ziel und dann zu gucken, wie kann man aufbohren.

Holzpiloten – Unternehmer aus Hennef

Deshalb arbeiten Sie parallel auch an der Webseite?

Stefan: Eine moderne Webseite muss das heute lösen, tatsächlich den Kunden nicht nur mit Produkten zuzuballern. Sie muss drei Dinge lösen: Zum einen muss sie ein klares UID – sprich User Interface Design – haben, eine klare Struktur, eine klare Handlungsempfehlung, ein gutes Storytelling und tatsächlich den Kunden nicht mit seinen Fragen alleine lassen.

An jeder Position, wo sich der Kunde aufhält und wo Fragen sind, muss die Seite, oder spätestens, wenn die Seite es nicht mehr lösen kann, irgendeine Kontaktfunkionalität da sein, die Kunden wieder in den Prozess holt.

Wohin liefert Sie aktuell die meisten Produkte?

Stefan: Hauptliefergebiete sind aktuell Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux. Da wollen wir auch erstmal bleiben und uns da auch aufhalten. Letztendlich ist es so, jedes Geschäftsmodell, jedes Wachstum ist endlich und Schuster bleib’ bei deinen Leisten oder Tischler bei deinen Sägespänen, wie auch immer. Man sollte da halt nicht zu groß denken am Anfang, sondern sich auf einen Markt – auf einen regionalen Markt – den ich jetzt gerade beschrieben habe, beschränken und überlegen, was könnte ich da für Mehrwerte noch mit reinbringen.

Sprich, nicht an Produkten, sondern das Big Picture ist zum Beispiel auch irgendwann mit eine Augmented-Reality-App anzubieten und zu sagen, so Leute, ihr könnt euch euren Tisch konfigurieren und ihr stellt euch den ins Wohnzimmer und guckt wie der da aussieht, stellt ein paar Stühle dran, baut eine Lampe drüber – das ist das Thema.

Timm: Wir zeichnen bei uns die ganzen Sachen maßstabsgetreu. Mein Kollege Timo rendert das und man hat dann eine 1A-Vorstellung davon, wie das Produkt aussehen kann.

Stefan: Wir arbeiten mit Echt-Texturen und bauen Dinge so nach, dass der Laie keinen Unterschied sieht und das dem Produkt auch tatsächlich zu 100 Prozent nahe kommt. Wir sind soweit, dass wir bei Tischplatten nicht nur die Länge, Breite und Dicke, sondern tatsächlich auch den Astanteil bestimmen können.

Wieso haben die Holzpiloten Hennef als Firmenstandort gewählt?

Stefan: Das hatte sich angeboten, weil der Geschäftsführer Axel Schönfelder seine Hauptunternehmung in Hennef hat. Als wir seinerzeit auf ihn zugegangen sind und ihm das Projekt vorgeschlagen haben, schlug er vor, an seinen Standort zu kommen, wo er uns mehrere Mittel zur Verfügung stellen kann, zum Beispiel die Administration, Lager, Logistik und auch Infrastruktur. Da waren halt einfach Synergieeffekte, die wir dann genutzt haben, anstatt das Rad neu zu erfinden im gewissen Segment. Das ist schon nicht schlecht für uns.

Jetzt gerade stehen wir in der Schreinerei in Krawinkel, einem Ortsteil von Neunkirchen-Seelscheid. Also sind die Holzpiloten schon auf mehrere Standorte verteilt?

Stefan: Das Prinzip baut darauf auf, dass wir das regionale Handwerk fördern wollen. Sprich erstmal den Rhein-Sieg-Kreis, um das später vielleicht weiter auszudehnen. Das macht dann auch Sinn, wenn man Standorte wie München oder anderswo mal beliefern muss und um dann punktuell auf Leute zuzugreifen: dann tatsächlich auf den Schreiner der meinetwegen hier in Krawinkel sitzt, auf den Schlosser der in Lohmar sitzt, auf den Schlosser der in Spich sitzt und so weiter und so fort. Das Netzwerk erweitert sich kontinuierlich, wir fragen immer mehr Leute an, könnt ihr das darstellen, wollt ihr mitgehen?

Holzpiloten – Unternehmer aus Hennef

Das heißt streng genommen sind die Holzpiloten dann keine Firma im klassischen Sinne mit mehreren Standorten, sondern eher so eine Art Netzwerk?

Stefan: Es ist eher so eine Art Netzwerk, ja, wenn man es als Unternehmen, als Unternehmensnetzwerk sehen will. Das heißt, wir bilden das Dach und darunter sind die Lieferanten, Zulieferer geschaltet. Das Big Picture ist, dass wir in Deutschland zumindest soweit kommen – Zeitraum drei bis vier Jahre – dass wir eine Art Trapez darstellen. Soll heißen, im Westen Köln oder die Nordrhein-Westfalen-Region, Hamburg, Berlin, München – so spannen wir dieses Trapez.

Was gefällt Ihnen an Hennef als Unternehmensstandort?

Timm: Tja, da kann ich leider nichts zu sagen. Also was ich sympathisch finde, ich bin da relativ schnell aus Lohmar. Das finde ich sehr gut. Aber ansonsten hab ich auch mit Hennef wenig zu tun (lacht).

Stefan: Ich hab’ ja eine zeitlang in Schloß Allner gewohnt, daher kenne ich die Region ganz gut. Hennef ist aus mehreren Gesichtspunkten ganz gut. Was Timm ansprach, sind schlicht und ergreifend die infrastrukturellen Gesichtspunkte: die Anbindungen an die Ballungsgebiete, die Nähe zur Autobahn. Und ich glaube auch, dass Hennef relativ offen ist in der Akzeptanz dessen, was man tut. Oder anders herum betrachtet, wenn ich jetzt mit einem Thema wie den Holzpiloten nach Köln gehe, sind wir vielleicht eine von vielen Firmen, die da irgendwas macht. Wenn wir das in Hennef tun, ist das ein ganz anderes Spiel, eine ganz andere Wahrnehmung.

Und wie waren die Erfahrungen bei der Unternehmensgründung bei der Stadt?

Stefan: Das ging sehr gut, alles sehr problemlos …

Timm: Das was vom Finanzamt kam, das war schon ein bisschen zäh …

Das war dann ja auch Siegburg, oder?

Timm: Ne, das war das Bundesamt, die Steuernummer …

Stefan: Da haben wir echt lange darauf gewartet …

Timm: Aber da kann Hennef nichts dafür!

Für den Standort Hennef gibt es also keine konkreten Wünsche aus Unternehmersicht?

Stefan: Wir sind absolut zufrieden. Also ich könnte mich jetzt nicht Richtung Hennef wenden und könnte sagen mach dies, mach jenes. Das kommt vielleicht noch, nein, aber aktuell gar keine Probleme. Der Standort ist gut, und mehr braucht man dann nicht.

Holzpiloten – Unternehmer aus Hennef

Fotos: Adrian Honsberg | Holzpiloten