Wirtschaft

Thomas Gerhards: Unternehmer aus Hennef

Für die Interviewreihe „Unternehmer aus Hennef“ sprechen wir mit interessanten Hennefer Persönlichkeiten. Diesmal waren wir bei Thomas Gerhards zu Gast: Der gelernte Schreiner hat vor 25 Jahren sein Umzugsunternehmen gegründet und verfügt heute neben einer Fahrzeugflotte auch über ein großes Lagerhaus.

Herr Gerhards, seit wann gibt es „Umzüge Gerhards“?

Wir sind jetzt 25 Jahre auf dem Markt und haben von Null angefangen. Ich habe ursprünglich Schreiner gelernt. Mit einem Kollegen habe ich damals überlegt, wie wir zusätzlich Geld verdienen könnten. Ich habe seinerzeit in Troisdorf-Bergheim gewohnt und der Kollege in Niederkassel-Rheidt. Er hatte Kontakt zu Möbel Hausmann, über den wir die ersten Jobs bekamen: für Kunden samstags Möbel zu transportieren.

Wir haben mit einem Transporter begonnen. Irgendwann fragte der erste Kunde, ob wir ihm auch bei seinem Umzug helfen können. Der Kunde brachte uns wieder einen Kunden und so weiter. Also haben wir uns irgendwann entschlossen, ein Gewerbe als Umzugsfirma anzumelden.

Damals haben wir uns dann immer einen Umzugswagen geliehen. Irgendwann ergab sich die Möglichkeit, dass wir einen Umzugswagen von Möbel Hausmann kaufen konnten. Dann bekamen wir das Angebot, bei einem Spediteur zu arbeiten. Mein Kollege hat es angenommen, also haben wir uns getrennt.

Seither arbeite ich alleine mit meiner Frau zusammen. Sie übernimmt die ganz Büroarbeit, ich kümmere mich um den Außendienst und die Akquise. Wir erstellen dann auch die Kostenvoranschläge für unsere Kunden. Wir haben nicht nur Privatkunden, sondern auch Geschäftskunden und das Auswärtige Amt, die Bundeswehr oder sogar die NATO.

Wie groß ist Ihr Fuhrpark heute?

Heute haben wir drei größerer Lkws und einen Sprinter. Den Sprinter nutzen wir, weil wir teilweise auch nur Küchen ausliefern. Das ist ein zusätzlicher Service: Die Küche wird hier angeliefert und wir bringen Sie dann zum Kunden und bauen sie auf.

In welchem Umkreis machen Sie die Umzüge?

Wir sind gerade dabei, den 200-km-Radius – von unserem Standort aus – auszuweiten. Für größere Entfernungen nutzen wir häufig die Seefracht. Das dauert zwar länger als mit den Lkws, ist aber auch günstiger. Manchmal kommt es auch auf die Zeit an. Letzte Woche waren wir in Rom, demnächst sind wir in Sizilien.

Was war denn bislang der weiteste Umzug?

Das waren rund 2.500 Kilometer, noch unterhalb von Griechenland. Und im Kosovo waren wir auch schon. Auf solchen Strecken ist es wichtig, sich vorher genau zu informieren, um sicher anzukommen.

Damals sind wir zum Beispiel von Italien mit dem Schiff übergesetzt, weil auf der Strecke auch Unruhen gemeldet waren. Einmal ist es uns auch passiert, dass wir plötzlich acht Flüchtlinge hinten im Lkw hatten. Wir haben das nicht bemerkt und mussten 6.000 Euro Strafe zahlen – pro Person.

Ist der normale „Einfamilien-Umzug“ denn noch das Hauptgeschäft?

Ja, wir sind eine kleine Firma. Wir sehen jeden Kunden als wichtigen Kunden. Wenn unser Kalender voll ist, verweisen wir notfalls auf andere Umzugsunternehmen. Es gibt Kunden, die sehr früh planen. Andere dagegen rufen hier an und möchten morgen umziehen. Da gibt es ein weites Spektrum.

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Neben Umzügen bieten Sie die Möglichkeit, in Ihrer Halle Gegenstände einzulagern. Wie kamen Sie darauf?

Das Lagerhaus haben wir gebaut, um Lücken aufzufangen. Wir haben damals extra so groß gebaut, eigentlich viel zu groß. Aber nach sieben Jahren ist es sogar schon wieder zu klein. Man weiß ja nie, wenn man etwas anfängt, wie groß es später wird. Manche Kunden nutzen vorübergehend die Möglichkeit bei uns einzulagern, andere die Container als Garage oder Archiv.

Jetzt gibt es Sie schon ziemlich lange hier in Hennef. Was sehen Sie denn für einen Vorteil an Ihrem Standort?

Der Standort hier ist sehr wichtig. Wir haben hier so gebaut, dass wir auch hier wohnen können. Wenn beispielsweise ein Kunde samstags an sein Lager muss, ist das gar kein Problem.

Ihr Unternehmen gibt es schon seit 25 Jahren. Was würden Sie anderen jungen Gründern in Hennef empfehlen?

Lieber langsam anfangen und sich mit der Situation, die man erreichen will, erst einmal vertraut machen. Das haben wir hier nicht anders gemacht. Also erst einmal ein Gerät kaufen und dann arbeitet man sich immer höher. Dann kommt man langsam aber sicher an sein Ziel.

Wenn Sie Bürgermeister von Hennef wären, würden Sie etwas ändern?

An jeder Ecke gibt es irgendetwas zu meckern oder etwas zu ändern. Es ist eine kleine, übersichtliche Stadt, die wachsen sollte, damit die Leute hier arbeiten und leben können.

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