Leben

Tagesmütter: Diener zweier Herren

Eltern und Kinder

Für viele berufstätige Eltern sind sie ein Segen. Tagesmütter kümmern sich liebevoll um die kleinen, manchmal wenige Monate alten Kinder. Sie sind die Ergänzung der Kindertagesstätten und leisten einen wesentlichen Teil zur staatlich organisierten Kinderbetreuung. Dabei kommt ihnen eine Doppelrolle zu: Einerseits müssen sie die Vorgaben des Jugendamtes erfüllen, andererseits wollen sie den Eltern die bestmögliche Versorgung der anvertrauten Kinder bieten – ein Spagat, zu dem wir mit den Beteiligten gesprochen haben.

Tagesmütter und Tagesväter – oder amtlich korrekt „Tagespflegepersonen“ – kümmern sich um die Betreuung von Kindern im Alter von null bis drei Jahren, in der Regel im eigenen Familienhaushalt. Bei der nüchtern betrachteten „Dienstleistung“ zwischen Eltern und Betreuern ist jedoch immer das Jugendamt mit im Boot: Dieses erteilt eine formale Erlaubnis zur Tagespflege und genehmigt die Aufnahme der Kinder. Wünschen die Eltern eine Förderung der Betreuung, übernimmt das Jugendamt, abhängig vom Elterneinkommen, stufenweise einen Teil oder das komplette Honorar der Tagesmutter.

Scheinbar selbständig?

An dieser Stelle beginnt bereits der Spagat. Steuerrechtlich gesehen sind Tagesmütter selbständig, faktisch unterliegen sie aber der Kontrolle des Jugendamtes, das unter anderem einen erheblichen Einfluss auf ihre Einnahmen hat. Grundsätzlich ist es im Sozialgesetzbuch (SGB) vorgesehen, dass „bis zu fünf gleichzeitig anwesende, fremde Kinder“ betreut werden dürfen. Das Jugendamt in Hennef entscheidet aber nach „räumlichen und persönlichen Voraussetzungen“, wie viele Betreuungsplätze genehmigt werden. Die detaillierte Begründung darüber erfahren die Tagesmütter übrigens nicht schriftlich, sondern im persönlichen Gespräch.

Wie hoch ihr Honorar dann ist, kann die Tagesmutter seit letztem Jahr nicht mehr selbst entscheiden. Waren zuvor freie Vereinbarungen zwischen Eltern und Betreuern auch im Rahmen der Jugendamtförderung möglich, ist heute die „Beitragstabelle Kindertagespflege für unter Dreijährige“ maßgeblich. Danach erhält eine Tagesmutter aktuell beispielsweise 530 Euro monatlich für die Betreuung eines unter Dreijährigen bei bis zu 30 Stunden pro Woche. Umgerechnet entspricht das einem Stundenlohn von 4,08 Euro, selbstverständlich brutto.

Problemzeit Eingewöhnung

Besonders wirtschaftlich heikel wird es für die Tagesmütter bei der Eingewöhnung neuer Kinder. Der für die Kleinen – und auch für viele Eltern – schmerzhafte Trennungsprozess benötigt besonders intensive Betreuung. Manche Tageseltern beginnen deshalb mit der sanften Eingewöhnung außerhalb ihrer üblichen Arbeitszeiten. Das Jugendamt der Stadt Hennef vergütet diese sehr individuelle Phase pauschal mit 75 Euro und verweist auf ihr Eingewöhnungskonzept, nach dem die Betreuung „langsam gesteigert wird, ausgehend von zunächst 1,5 Stunden pro Woche“. Laut Auskunft verschiedener Tagesmütter erstreckt sich die Eingewöhnung schnell über mehrere Wochen bei einer erheblichen Stundenzahl.

Selbst bei der gleichzeitigen Betreuung von fünf Kindern bleibt das Einkommen der Tagesmutter überschaubar; gehen von den Einnahmen doch beispielsweise Kosten für die Räume und Einrichtung ab, zusätzlich die hälftigen Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge. Letztere ist für Tagesmütter Pflicht, wenn ihre Einkünfte regelmäßig 450 Euro monatlich überschreiten – ebenfalls für Selbständige untypisch. Dazu übernimmt die Vermittlung der Tageskinder bevorzugt das Jugendamt selbst und beeinflusst damit die Auslastung der Betreuer.

Dennoch versuchen die Tageseltern in Hennef, sich nicht in ein starres Korsett pressen zu lassen. Viele bieten individuelle Betreuungskonzepte und versuchen, den Bedürfnissen der Eltern und Kinder flexibel entgegen zu kommen. So nutzen sie eigene Webeseiten, um sich und ihre Leistungen vorzustellen und haben sogar eine gemeinsame Anlaufstelle geschaffen. Denn entgegen allen Widrigkeiten, so sagte uns ein Tagesvater, „ist das der schönste Job der Welt!“

Foto: erysipel / pixelio.de

2 Kommentare

  • Ich habe Ihre Berichte gelesen und freue mich darüber, dass die Tagesmütter so gut unterstützt werden.
    Ich bin als Erzieherin vor 36 Jahren in diesen Beruf eingestiegen und betreute in dieser Zeit 38 Tages – Wochen – und Vollzeit – Pflegekinder. Die Arbeit am Kind und mit dem Kind sah ich immer als Brücke zur Herkunftsfamilie an und hatte mir sehr viel Spaß gemacht. Es waren nicht immer nur Sonnenscheintage, sondern es gab auch Regen und Gewitter zwischen dem Jugendamt, den Familien und mir.
    Ich habe alles in einem Buch aufgeschrieben mit dem Titel . Ich habe es bis jetzt noch nicht in Druck gegeben, da mir das Geld dazu fehlt. Interessant wäre es jedoch für viele Menschen, die mit Kindern umzugehen haben.
    Liebe Grüße
    Ursula Hummel aus Ostfriesland
    Was meine Familie erleben mußte, wünsche ich niemandem.

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