Leben

Romaner Antikdoggen aus Uckerath

In Rahmen einer neuen Artikelreihe besuchen wir die Hundezüchter unserer Stadt. Den Anfang macht Stefanie Lanzrath aus Uckerath. Im Gespräch stellte sie uns die noch relativ unbekannte Rasse „Romaner Antikdogge“ vor, berichtete aus dem Zuchtalltag und gab uns Tipps für die Suche nach einem vierbeinigen Familienmitglied.

In einer Nebenstraße zur B8 lebt Stefanie Lanzrath mit ihrer Familie und den zwei Hunden: Ein imposanter Rüde und ein Weibchen begrüßten uns mit freundlichem Bellen. Die beiden große Hunde sind Cane Corso Doggen und wesentlicher Bestandteil der von Frau Lanzrath gezüchteten „Romaner Antikdogge“. Seit zwölf Jahren verpaart sie die Rassen Cane Corso und Dogo Canario. So entsteht ein „gesunder, robuster, vitaler, mittelgroßer Molosser“, der als Familien- und Begleithund sowie als Wach- und Hundesporthund gleichermaßen Verwendung finden soll.

Während wir mit Frau Lanzrath sprechen, legen sich die Hunde entspannt zu unseren Füßen: Offenbar sind wir auch den Hunden als Gäste willkommen. Trotzdem sind die Molosser imposante Hunde. Ihr massiges und muskulöses Erscheinungsbild flößt Respekt ein und weckt beim ungebildeten Betrachter die Assoziation zum Kampfhund. Je nach dem welche Farbe ihr Hund hat, erlebt Stefanie Lanzrath das Vorurteil häufig in ihrem Umfeld. Dabei versichert sie uns, dass es sich bei dieser Hunderasse um einen absoluten Familienhund handelt. Es soll ein sehr intelligentes und anhängliches Tier sein. Natürlich verfügen die Rasse auch über einen Beschützerinstinkt, dies mache sie aber nicht gleich zum Kampfhund. Lediglich in Bayern und Brandenburg sei ein Wesenstest vorgeschrieben.

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Die Zucht

Stefanie Lanzrath züchtet in einem kleinen Verein mit sechs weiteren Züchtern. Mittlerweile verfügt sie dadurch über einen großen Pool an Hunden, mit denen sie züchten kann. Pro Jahr hat sie ein bis zwei Würfe. Kristallisiert sich von den Welpen einer als besonders geeignet zur Nachzucht heraus, kommt er in eine Pflegefamilie. Dort lebt er wie jeder andere Hund auch. Die Züchterin überlässt ihn aber unentgeltlich und übernimmt auch die Untersuchungen sowie die Zuchtprüfungen. Die Pflegefamilien leben alle in der näheren Umgebung. So hat sie die Möglichkeit, sich mit ihnen zu treffen und den Kontakt zu halten. Wenn der Hund dann zur Zucht für etwa zwei Monate zu ihr kommt, ist er nicht fremd.

Wenn ein Vertrauensverhältnis bei dem Hund da ist, der Hund das hier alles kennt, dann ist das wie sein zweites zuhause.

 

Zur Zucht wählt Frau Lanzrath nur die gesündesten und liebsten Hunde aus. So ist zum Beispiel der nächste Wurf mit einem kerngesunden, zwölf jährigen Cane Corso Rüden, aus Mailand geplant. Ein Weibchen lässt sie spätestens mit sechs Jahren zum letzten Mal decken, vorausgesetzt, sie dann noch völlig gesund.

Die Welpen kommen

Kommen die Welpen auf die Welt, leben sie die ersten vier bis fünf Wochen in einem eigenen Welpenzimmer gemeinsam mit der Mutter. Diese übernimmt zu der Zeit auch die meiste Arbeit. In dem Raum befindet sich eine Welpenkiste, ein Tisch und eine Wärmelampe. Ab der dritten Woche wird Brei dazugefüttert. Ab dann laufen die Hunde schon frei durch das ganze Haus. Ab der vierten Woche kommen die Kleinen dann in den Garten. Dort gibt es ein eingezäuntes Areal mit einem kleinem Häuschen. Als weitere Attraktionen erwarten die Welpen ein Bällebad und ein Welpentunnel. Die Tür zum Garten wird meist offen gehalten: So können die Welpen bereits die Umgebung erkunden, lernen die Kaninchen, die ebenfalls im Garten ihr Heim haben, kennen oder springen auch mal in den Teich zu den Koi-Karpfen.

Ab der vierten Lebenswoche können sich Interessenten die Welpen ansehen. Im Haus der Lanzraths melden sich dann viele Besucher an und die Welpen werden von Beginn an Menschen und Kinder gewöhnt. Zwischen der achten und zehnten Woche werden sie abgegeben und ziehen zu ihren neuen Familien. Kurz davor werden Sie geimpft, entwurmt und gechippt.

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Nicht jeder bekommt einen Romaner

Meistens melden sich die Interessenten gleich zu Jahresanfang bei der Wurfplanung an. Im Alter von zwei Wochen sind meistens alle Welpen bereits reserviert. Aber nicht jeder bekommt einen Welpen: Stefanie Lanzrath schaut sich die Bewerber genau an. Vollzeit Berufstätige beispielsweise erhalten kein Tier von ihr.

Zwischenzeitlich haben die Hunde den Briefträger in der Nachbarschaft entdeckt. Sie springen auf und laufen zum Zaun. Neben ihrer imposanten Erscheinung hören wir jetzt auch eine beeindruckende Stimme. Ein kurzes Kommando von Stefanie Lanzrath genügt, und die beiden kehren zum Gartentisch zurück – ganz so, als haben sie die ganze Zeit dort gelegen.

Der Preis für einen Welpen beträgt 1.250 Euro. Die neuen Besitzer sollten sich aber über die Folgekosten bewusst sein: Zwangsläufig kommen die Haftpflichtversicherung, die Hundesteuer und natürlich das Hundefutter auf sie zu. Zusätzlich fallen die Kosten für den Tierarzt, wie etwa für die jährliche Impfung oder kleinere und größere Wehwechen, für die Halter an. Stefanie Lanzrath veranschlagt monatliche Unterhaltskosten zwischen 150 und 200 Euro pro Tier.

Züchter ist nicht gleich Züchter

Abschließend wollten wir von Frau Lanzrath noch ein paar Tipps für potenzielle Welpenkäufer erfahren. Oberstes Gebot ist aus ihrer Sicht, einen Blick auf mehrere Züchtern zu werfen. Nur so lasse sich die Qualität vergleichen, wie und wo die Hunde leben und wie die Züchter mit den Tieren umgehen. Da das Wesen der Hunde stark vererblich sei empfehle es sich, auch genau die Elterntiere anzusehen.

Die Prägung des Welpen an sich, ist natürlich auch wichtig!

 

Wichtig sei natürlich auch die Gesundheit der Tiere. Gibt es beispielsweise Krankheiten bei den Eltern, die vererbt werden können? Wie ist der HD-Wert (Hüftdysplasie)? HD-A oder HD-B wären aus ihrer Sicht ein guter Wert. Im Ausland dürfe sogar noch mit schlechten HD-Werten gezüchtet werden, deshalb mahnt sie hier zur Vorsicht. HD könne später zu Arthrose und erheblichen Laufschwierigkeiten führen.

Von der Massenzucht halte sie eher Abstand: Für sie ist die Hundezucht ein Hobby und das solle auch so sein. Bei der Massen- oder Rudelzucht haben die Züchter die Hunde selten selbst im Auge. Es seien vor allem die Mitarbeiter, die sich um die Verpflegung und die Aufzucht kümmern.

Von Massenzüchtern halte ich nichts, weil ich denke, dass ist die Hundezucht eigentlich eine Liebhabersache ist. Und wenn man gute Welpen abgeben will, muss das auch so sein.

 

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Beim abschließenden Fotoshooting zeigen die beiden Hunde ihre verspielte Seite. Als wir das Gartentor hinter uns schließen schauen die beiden uns fast ein wenig wehmütig nach. Spätestens jetzt ist der letzte Zweifel verflogen – die Romaner Antikdogge ist ein beeindruckender Familienhund.

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