Leben

Rhodesian Ridgeback – Löwenhunde aus Happerschoß

Tanja und Marcel Michels züchten in ihrem prämierten Kennel Sabayuma die afrikanischen „Lion Dogs“, den Rhodesian Ridgeback. Die Rasse entstammt aus Rhodesien, dem heutigen Simbabwe. Dort wurden die Hunde früher zur Löwenjagd verwendet: Sie sollten das Raubtier so lange in „Schach halten“, bis der Jäger schussbereit war. Was die Rasse heute auszeichnet und wie sie dazu kam, diese zu züchten, erzählte uns Tanja Michels aus Happerschoss.

Die „Lion Dogs“ aus Afrika

Die Löwenjagd liegt lange hinter den Rhodesian Ridgeback, heute werden sie in Afrika hauptsächlich als Wachhunde genutzt. Ein paar Merkmale von damals sind den Tieren aber erhalten geblieben. Zur Jagd mussten sie im Rudel ausgezeichnet funktionieren können: Blitzschnelle Absprachen untereinander und genauso schnelle Reaktionen. Das merkt man den Tieren heute noch an. Diese Merkmale brachten dem Ridgeback den Ruf ein, besonders schwierig zu sein. Tatsächlich verfügen die Tiere aber über ein sehr hohes Maß an Intelligenz. „Sie sind einfach anders“, sagt Tanja Michels mit einem Lächeln. Es wäre eben keine Rasse, die zehn mal hintereinander ein Stöckchen holt, weil die Hunde den Sinn dahinter nicht begreifen würden. Deshalb erfordere auch die Erziehung ein besonderes Maß an Geduld. Aber:

Wenn der Hund einmal gesetzt ist, ist das so ein Partner der geht mit einem echt durch dick und dünn.


Kopftechnisch seien die Tiere eher Spätentwickler: Auch wenn sie nach bereits einem Jahr körperlich ausgewachsen sind, benötige die vollständige Entwicklung ihres Gehirns bis zum dritten Lebensjahr, manchmal auch länger.

In Bayern stand der Hund zeitweise auf der Rasseliste, bei der die Eigenschaft als Kampfhund vermutet wird. 2002 wurde er aber wieder von der Liste gestrichen. „Potenzial bringt jeder Hund letztlich mit sich“, meint Tanja Michels. Grundsätzlich findet sie, sollte jeder auf seinen Hund achten und ihn richtig erziehen. Denn selbst ein kleiner Hund, der die ganze Zeit kläfft oder um Aufmerksamkeit winselt, wäre für die Umwelt nicht sehr angenehm.

Die Sabayuma Zuchtanfänge und Voraussetzungen

Die ehemalige Pferdezüchterin und ihr Mann, wollten nach dem Tod ihres Boxers eigentlich nur einen neuen Hund. Marcel Michels stieß dabei auf den Rhodesian Ridgeback. Nachdem das Ehepaar sich über die Rasse informiert hatte, besuchten sie mehrere Züchter und entschieden sich für einen Welpen. Dieser war ein „korrekter“ Hund, womit gemeint ist, dass er sich besonders gut zur Weiterzucht eignet. Die Züchter ermunterte das Paar, Ausstellungen zu besuchen und selbst einen Wurf zu planen.

Bis dahin war es ein langer Weg. Zu Beginn besuchten die Michels Schulungen und informierten sich ausgiebig über die Wurfplanung, Geburt und Aufzucht der Welpen. Um eine Zuchtzulassung zu erhalten, musste der Zuchthund mindestens drei Ausstellungen besuchen und diese mit einem „sehr gut“ bestehen. Außerdem brauchte er eine Zuchtzulassungsprüfung, bei der sein Wesen und Aussehen beurteilt wurde. Ein Zuchtwart schaut sich auch die Umgebung an, in der später gezüchtet werden soll und prüft Vorgaben, wie etwa eine Grundstücksgröße von mindestens 200 Quadratmetern. 2010 war es dann soweit: Der erste Wurf war auf dem Weg.

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Foto copyright Marcel Michels

Die ersten Wochen der Welpen

In einer Wurfkiste kamen die Welpen auf die Welt. Aufgezogen werden sie zu Beginn mit der Muttermilch, später kommen Ziegenmilch, Tatar und frisches Fleisch dazu. Die Welpen werden 24 Stunden am Tag von den Michels betreut. Wenn sich die Tiere mehr bewegen, wird die Wurfkiste entsprechend vergrößert. Ab der vierten können die Welpen dann auch besucht werden; davor wird es wegen der Ansteckungsgefahr untersagt. Außerdem würde das zusätzlichen Stress für die Mutter bedeuten, was die Züchter vermeiden wollen. Ab der fünften Woche dürfen die kleinen Hunde dann nach draußen. Dort lernen sie dann auch mehr Untergründe kennen. Sie laufen auf Gras, Steinen und Wasser; sogar ein kleiner Sandkasten und einen Agility-Tunnel stellen die Michels dann bereit.

Für eine gute Prägung nimmt das Ehepaar bei Lautstärke keine Rücksicht. So fliegen dort viele Flugzeuge vorbei, man hört Autos vorbeifahren und auch die ganz normalen Alltagsgeräusche lernen die Welpen kennen. In der siebten Woche gibt es einen gemeinsamen Ausflug aller Welpen und der Mutter. Sie fahren dann zu einer Hundetrainerin, die sich jedes mal einiges für die Tiere einfallen lässt: klappernde Dosen, Flaschen, verschiedene Spiele, einen Tunnel und eine Hängebrücke die ordentlich wackelt. Das Ziel ist es, dass die Tiere mit einer gesunden Neugierde aufwachsen und sich nicht gleich bei unbekannten Dingen erschrecken.

Ein Welpe kostet bis zu 2.000 Euro. Die Zeit und der Aufwand, der in die Zucht investiert wird, übersteigt diesen Betrag allerdings deutlich. Denn Tanja und Marcel Michels haben nur zwei Zuchthunde, anders als gewerbliche Züchter. Wenn Sie die ihre Zeit, Wasser, Strom Zuchtzulassungsprüfung, Zuchtwart, Zuchtpapiere, das „Honorar“ für den Deckrüden und das Futter gegen rechnen, ergibt das schnell ein Minus. Allerdings sagte uns Tanja Michels, dass sie die Zucht mit viel Herzblut betreibe und es deshalb gerne macht.

Wenn sich die Interessenten über die Rasse erkundigt haben und sich im Klaren darüber sind, dass sie bei der Erziehung mehr Geduld benötigt als bei einigen anderen Vierbeinern, geben die Michels sogar manchmal an hundeunerfahrene Leute Welpen ab.

Als Hundehalter in Hennef

Über den Standort hier in Hennef zeigte sich Tanja Michels sehr zufrieden. Sie hat hier viele Auslaufmöglichkeiten für die Hunde und auch mit der Nachbarschaft habe sie keine Probleme. Die Anhebung der Hundesteuer im kommenden Jahr missfiel ihr – und sie würde sich freuen, wenn dafür auch mehr Hundebeutelstationen installiert samt Mülleimer aufgestellten würden.

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