Wirtschaft

Martin Gerards: Unternehmer aus Hennef

Martin Gerards, Unternehmer aus Hennef

Nach dem Interview zur Reihe „Unternehmer aus Hennef“ mit Bauunternehmer Clemens Wirtz, stellen wir Ihnen aus einem ganz anderen Bereich Martin Gerards vor. Der Steuerberater übernahm 2011 die Kanzlei seines Vaters und kann nun einen beachtlichen Kundenstamm vorweisen, der sich mittlerweile bis ins Ausland erstreckt.

Ihr Unternehmen heißt „Steuerberatung Gerards“. Welche Leistungen bieten Sie genau an?

Wir verstehen uns als voll umfängliche Steuerberater – sind weder spezialisiert, noch haben wir irgendwelche Präferenzen, was die Mandantschaft angeht. Das betrifft dann in erster Linie natürlich den klassischen Fall von der Steuerberatung. Angefangen von der monatlichen Finanzbuchhaltung, Jahresabschlusserstellung, Gewerbesteuererklärung, Umsatzsteuererklärung und so weiter. Aber auch Privatpersonen mit Einkommensteuererklärung oder erbschaftssteuerrechtlichen Angelegenheiten. Da wäre vielleicht noch besonders zu erwähnen, dass ich die Zusatzqualifikation zum Fachberater für Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung habe, was dann natürlich noch mal ein kleines Spezialgebiet ist.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie hier insgesamt?

Wir sind insgesamt, inklusive meiner Person, 13.

Wieso haben Sie sich damals dazu entschlossen sich selbstständig zu machen?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Ich habe 2011 das Unternehmen von meinem Vater gekauft. Habe also von klein auf mitbekommen, was es heißt, selbstständig tätig zu sein. Für mich war es immer so, dass die Vorteile, die in der selbstständigen Tätigkeit liegen, deutlich überwiegen. Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung und der Tätigkeit vorher auch im Angestelltenverhältnis gearbeitet, aber auch da hat sich von vornherein herauskristallisiert, dass ich den Weg in die Selbstständigkeit will.

Dann war es auch direkt klar, dass es der Steuerberater sein wird?

Das war schon in der fünften Klasse klar, dass es der Steuerberater wird. Meine Mutter ist ja auch in dem Bereich tätig, dass heißt ich habe von klein auf am Mittagstisch immer die Gespräche mitbekommen: Was läuft und was die Probleme sind. Irgendwann war es dann wirklich so, dass man sich gefragt hat: „Worüber reden die überhaupt?“. Dann war das Interesse direkt geweckt, dann ist man da im Prinzip reingewachsen.

Sie haben die Kanzlei 2011 von Ihrem Vater übernommen. Was war das erste, was Sie damals geändert haben?

Mein Vater war ja 37 Jahre damals selbstständig tätig. Er hat also auf „der grünen Wiese“, wie man so schön sagt, mit dem Unternehmensaufbau begonnen und kommt natürlich aus einer ganz anderen Unternehmergeneration. Das heißt der ganze Auftritt nach außen, sprich das Marketing und die Corporate Identity waren sehr vernachlässigt. Das war für mich dann das erste, was ich in Angriff genommen habe. Angefangen mit der Außendarstellung am Gebäude, entsprechende Schilder anzubringen, Briefpapier aufzusetzen. Im Anschluss daran hat sich natürlich in der betriebsinternen Organisation auch einiges verändert, weil die Abläufe an die moderne Steuerberatung angepasst worden sind.

Wie war der Generationenwechsel? Hat das reibungslos funktioniert mit den Mitarbeitern und den Mandanten?

Das war problemlos möglich. Das hat schon angefangen damit, dass ich gesagt habe, ich möchte nicht dass mein Vater Gefahr läuft, dass sein Lebenswerk in irgendeiner Art und Weise bevorteilt an den Sohn übergeht. Das heißt, ich habe zu Konditionen wie ein fremder Dritter gekauft, weil mir wichtig war, dass mein Vater sich sicher sein kann, dass er seinen Lebensabend in Ruhe ausgestalten kann. Im Zuge dessen hat er dann aber auch gesagt, dass er gerne noch weiter arbeitend und unterstützend tätig sein möchte. Er wollte nur aus der vordersten Reihe und aus der Personalverantwortung und so weit raus.

Die Mandanten hatten wenig Probleme damit, denn sie wussten: Es bleibt in der Familie, der Senior ist noch verfügbar. Der kennt die Historie, der kann seinen Sohn mit den entsprechenden Infos füttern. Vergleichbar mit den Mandanten ist es auch bei den Mitarbeitern gelaufen. Wir haben einige Mitarbeiter, die schon seit 30 Jahren bei meinem Vater sind, die ich auch übernommen habe. Das heißt die haben mich teilweise schon aus dem Kindergarten abgeholt. Sie haben meinen kompletten Lebensweg mitbekommen und auch überhaupt keine Probleme damit, dass ich jetzt derjenige bin, der auf dem Chefsessel sitzt. Dazu haben wir dann natürlich neue bekommen, die dann aber 2011 mit mir quasi gestartet sind.

Gibt es etwas, was Sie speziell an Ihrem Beruf am meisten mögen?

Speziell nicht, aber ich finde es immer eine große Herausforderung, dass zum einen jeder Berührungspunkte mit Steuern hat. Das heißt, jeder kommt irgendwann in seinem Leben einmal in die Situation: „Ich weiß nicht weiter, ich muss mal meinen Steuerberater fragen.“ Und für uns ist es dann so schön, wir bekommen es mit ganz vielen verschiedenen Menschen zu tun und mit ganz vielen verschiedenen Berufszweigen. Man ist immer ein bisschen Metzger, ein bisschen Bäcker, ein bisschen Architekt, ein bisschen Bauunternehmer, ein bisschen Immobilienmakler. Man bekommt Einblicke in ganz verschiedene Bereiche, und das macht den Job so interessant für mich.

Martin Gerards, Unternehmer aus Hennef

Jetzt ist Steuerberater vermutlich ein Beruf, der auf jeden Fall immer Zukunft haben wird. Gab es trotzdem Auswirkungen durch das Internet auf Ihre Tätigkeit?

Auf die Tätigkeit direkt noch nicht. Also wir erleben es aktuell, dass es Angebote gibt, die die Steuerberatung übers Internet, sprich online abwickeln. Das bringt natürlich gewisse Vorteile, aber für meine Begriffe, gerade in diesem sensiblen Bereich der Steuerberatung, nicht unbedingt die Zukunft ist. Es wird vermutlich in Zukunft so sein, dass es eine Kombination von beidem ist. Ich halte den persönlichen Kontakt für extrem wichtig, gerade weil es um ganz sensible Themen geht. Dieser persönliche Kontakt kann nicht vollends durch elektronische Abwicklung oder Internet ersetzt werden. Wir werden in Zukunft eine Kombination haben, dass man einen Datenaustausch elektronisch vornimmt, Belege werden gescannt und auf elektronischem Weg versendet, aber der persönliche Kontakt zusätzlich dazu wird immer bleiben. Das ist auch unsere ganz große Stärke: Im persönlichen Bereich können wir sehr gut auf die Mandanten eingehen.

Wie haben Sie das bei Ihren Mandanten mitbekommen: Was hat sich da verändert durch da Internet?

Also es gibt Berufszweige, wo man das Internet natürlich direkt als erstes in Bezug auf Veränderungen nennt. Das sind insbesondere Online-Shops und eBay-Geschäfte zum Beispiel. Also wir haben verschiedene Unternehmen, die da ganz stark vertreten sind. Da hat das Internet natürlich dafür gesorgt, dass das ganz neue Dimensionen eröffnet. Das kann man mit früher nicht mehr vergleichen.

Andere Beurfszweige wiederum, das klassische Handwerk, hat teilweise – glaube ich – noch gar nicht mitbekommen, dass es Internet gibt, weil da nach wie vor alles über Mund-zu-Mund-Propaganda läuft. Da wird vielleicht man eine E-Mail verschickt, aber da kommt es auch mal vor, dass der Chef eine Woche nicht in seinen E-Mail-Account guckt. Da gibt es eine ganz große Bandbreite von Auswirkungen, die das Internet mit sich gebracht hat.

Grundsätzlich denke ich, dass, wenn wir nochmal fünf, sechs, sieben Jahre weiter sind, viele bereits sämtliche Bereiche ihrer Geschäfte ausschließlich über das Internet abwickeln. Einschließlich unserer Tätigkeit. Das merken wir ja jetzt schon, die elektronische Abwicklung wird immer mehr.

Jetzt beraten Sie wahrscheinlich auch Existenzgründer, denke ich. Wie schätzen Sie das ein – war das früher zu Zeiten von Ihrem Vater, vielleicht leichter sich selbstständig zu machen oder eher heute?

Auch da würde ich sagen, dass es ein bisschen abhängig ist von der Branche. Was man feststellen kann, ist, dass die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen, deutlich abgenommen hat. Das Bewusstsein, dass die Selbstständigkeit ein großes Risiko birgt, ist deutlich angestiegen als das Bewusstsein, dass es auch eine Chance mit sich bringt. Viele scheuen aktuell das Risiko und den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen.

Von dem ganzen Prozedere, was Existenzgründer heute durchlaufen müssen, ist es natürlich im Moment, wenn man auf Existenzgründungszuschüsse zum Beispiel schaut, ganz viel Bürokratie, die einen erwartet, was natürlich auch abschreckend ist. Jetzt kann man natürlich sagen, früher gab es die Möglichkeit des Existenzgründungszuschusses gar nicht, deswegen kann man es nicht vergleichen. Aber grundsätzlich ist es schon so, denke ich, dass die Hürden etwas größer sind, als sie früher waren.

Welche Vorteile sehen Sie darin, dass Ihr Unternehmen hier in Hennef steht im Gegensatz, wenn Sie an einem anderen Standort stehen würden?

Also wir – sagte ich ja eingangs schonmal – wir halten den persönlichen Kontakt und die Bindung zum Mandanten für eine ganz große Stärke von uns. Was natürlich auch mit sich bringt, dass wir nah am Mandanten sein möchten. Wir haben unheimlich viele Mandanten hier aus der Region, die sich dann auch freuen nach Hennef zu kommen. Viele sind ja auch direkt aus Hennef oder sind Hennefer und haben Ihr Unternehmen an einem anderen Standort. Das heißt, wir sind hier sehr nah am Mandanten, und das ist für unsere Mandanten und für uns sehr wichtig, dass wir hier quasi mitten im Leben von Hennef sind.

Wie weit verstreut sind denn Ihre Mandanten eigentlich?

Also als Kerngebiet würde ich den Rhein-Sieg-Kreis betrachten. Ansonsten verstreut es sich aber bis in den Süden Deutschlands, teilweise auch noch den Norden Italiens, bis Österreich und in die Niederlande. Es ist doch recht weitläufig.

Was haben Sie für eine Empfehlung für junge Gründer, die sich hier in Hennef selbstständig machen wollen?

Die Empfehlung wäre nicht das Risiko zu scheuen. Die richtige Geschäftsidee bringt bei der Selbstständigkeit auch sehr große Chancen mit sich. Wenn man das von Anfang an richtig anpackt, ruhig das Risiko zu wagen und nicht von vornherein schon mit großen Bedenken starten. Mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen die Sache anpacken und mit entsprechendem Ehrgeiz nach vorne zu schauen.

Darüber hinausgehend ist es, schwierig eine Empfehlung zu erteilen, weil man auch genauso oft sagen muss, die Idee die der oder diejenige hat, ist wenig erfolgsversprechend. Wir bekommen es mit ganz verschiedenem zu tun. Manchen müssen wir dann auch sagen: „Die Geschäftsidee hatten schon mehrere, das wird nicht von Erfolg gekrönt sein.“ Aber wiederum andere haben einfach eine grandiose Idee, scheitern aber dann an ihrem eigenen Selbstvertrauen, die Geschichte auch entsprechend umzusetzen.

Wenn Sie hier Bürgermeister in Hennef wären, was wäre was Sie jetzt ändern würden?

Das ist eine ganz spannende Frage. Da muss ich glaube ich, mal ein bisschen drüber nach denken. Der Draht zum Bürgermeister ist ja ohnehin recht eng, weil ich auch im Stadtrat sitze. Deswegen ist es nicht so leicht, etwas zu finden, was ich anders machen würde. Aktuell ist sicher das Thema der Schullandschaft etwas, was in der Diskussion steht, aber auch da wäre es nicht so, dass ich etwas anders machen würde. Wir sind ja ab nächstem Jahr in der Haushaltssicherung, deswegen wäre mit Sicherheit das Thema Finanzen etwas, was ich mal unter die Lupe nehmen würde. Aber auf Grund der gesamtpolitischen Lage ist da auch eine Änderung eher schwerlich herbeizuführen. Deswegen würde ich aktuell konkret gar nichts anders machen.

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