Leben Sport

„Laufen wurde zu einem sehr intensiven Hobby.“

Der Hennefer Rafael Fuchsgruber ist er der erfolgreichste deutsche Extremläufer in den Wüsten dieser Welt. Am 13. Januar wird er um 20 Uhr in der Meys Fabrik seine Erlebnisse anhand von Filmen und Fotos schildern und liest dazu aus seinem Buch „Running Wild“. Wir hatten die Gelegenheit mit Rafael Fuchsgruber ein Interview zu führen und dabei zu erfahren, wie und warum er mit 40 Jahren sein Leben auf den Kopf gestellt hat und zum Extremläufer wurde.

Herr Fuchsgruber, wie kam es, dass Sie erst nach vierzig Lebensjahren zum Extremlaufen kamen?

Ich lag mit Anfang 40 mit Verdacht auf Herzinfarkt vorm Internisten. Es war Zeit einiges zu ändern: Ich habe viel geraucht, habe gesoffen und ein sehr hektisches Leben als Konzertveranstalter und Künstlermanager gelebt. Der Verdacht auf Infarkt erwies sich als schwere Herzmuskelentzündung wegen einer verschleppten Viruserkrankung. Aber in diesem Moment auf der Liege beschloss ich, aus gesundheitlichen Gründen nach über 20 Jahren wieder Sport zu machen. An Extremläufe habe ich damals allerdings nicht gedacht. Diese kamen nach den ersten Citymarathons.

Wie hat sich seither Ihr Leben verändert?

Zigaretten und Alkohol kamen in den Müll und ich fing ganz langsam an zu laufen. Der erste Lauf mit meinem besten Freund Jochen in Köln am Geißbockheim ging genau über drei Kilometer. Dann war Fuchsgruber alle und musste zurück zum Auto gehen. Danach wurde ich fitter, gesünder und fühlte mich in meiner eigenen Haut das erste Mal seit 20 Jahren wieder wohl.

Heute bin ich der erfolgreichste deutsche Läufer in den Wüsten dieser Welt. Diesen Titel habe ich nicht erfunden sondern der Chefredakteur eines großen Laufmagazins. Das Laufen wurde zu einem sehr intensiven Hobby. Einige Jahre später kam ich über Joey Kelly, den ich an der Sieg beim Laufen getroffen hatte, zum LAZ Rhein/Sieg und zu meinem jetzigen Trainer Thomas Eickmann.

Mittlerweile ist Sport sogar ein Teilbereich meiner Veranstaltungsagentur geworden. Ich arbeite beratend für die weltweit erfolgreichste Wüstenlaufserie www.4deserts.com und betreue die Läufer aus den deutschsprachigen Ländern. Zudem bin ich mittlerweile gesponsorter Athlet und halte Vorträge über meine Abenteuer.

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Was mögen Sie besonders an den Extremläufen?

Grenzenlosigkeit, die Auseinandersetzung mit mir selbst, die Neugierde, das Lernen an Krisen und die Umsetzung im normalen Leben.
Wenn ich heute in ein Meeting gehe und jemand den Satz sagt: …hier haben wir ein ernsthaftes Problem…denke ich an wirkliche Probleme. Als ich beispielsweise in der Sahara verloren gegangen bin und eine halbe Nacht nicht wusste, wo ich bin und wo die Strecke langläuft.

Welchen Lauf planen Sie als nächstes?

Zwei Wochen nach meinem Vortrag in Hennef am 13. Januar in der Meys Fabrik geht es Richtung Sri Lanka. Ein Lauf über 250 Kilometer aus den Bergen durch den Dschungel, die Reisfelder runter zum Ziel am Indischen Ozean. Danach geht es wahrscheinlich im Mai nach Namibia – beide Rennen von 4deserts. Ich werde mich ein wenig um die Teilnehmer kümmern und natürlich auch zügig laufen.

Sie wohnen und arbeiten in Niederhalberg. Wie hat es Sie nach Hennef verschlagen?

Ich komme vom Land und wollte nach 20 Jahren Köln wieder zurück. Ich war DJ in Köln und drumherum, bin immer noch als Veranstalter viel unterwegs. Ich hatte alle Partys und alle Abenteuer in diesem Bereich und wollte mit 40 Jahren einfach wieder zurück.

Wie können Sie die Arbeit und den Extremsport einschließlich Training vereinbaren?

Langes Facebooken, Fernsehen oder Kneipenbesuche fallen einfach aus. Ich habe zwei Firmen und muss natürlich viel arbeiten. Mit Vanessa Seewald aus Windeck habe ich aber die fähigste Mitarbeiterin, die mir seit Jahren in harten Zeiten in der Firma den Rücken freihält, wenn ich viel trainiere. Neu im Team ist Natascha Koch aus Bödingen, die uns seit kurzem auch unterstützt.

Wichtiger ist die Familie! Großer Rückhalt ist meine Frau Ute, die selber Ultrarennen bis 100 Kilometer läuft. Das Verständnis ist somit immer da, wenn einer morgens um 6.00h seine Schuhe schnürt und in den Wald verschwindet. Der größte Support und die Liebe meines Lebens ist natürlich unsere kleine Tocher Mara, die unbedingt eines Tages mit Papa in Afrika laufen will. Erstmal wird sie aber nächstes Jahr eingeschult. Dann kommt irgendwann die Pubertät und danach frage ich sie nochmal.

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Wie kamen Sie auf die Idee ein Buch zu schreiben?

Ich habe schon viele Jahre für die großen Laufmagazine geschrieben. Es gab Verlage, die ein Ultralaufbuch haben wollten. Aber ich wollte nicht, da ich kein Handbuch schreiben wollte. Es fehlt mir schlicht die Zeit Dinge zu tun, die mich nur peripher interessieren. Aber wir haben einen Verlag gefunden, der die Lebensgeschichte des Herren Fuchsgruber sehr interessant fand. So kam die Idee der Biografie – damit hatten sie mich dann. Ich bin eitel genug, um gerne Mal über mich was zu schreiben. Dass es dann gleich so viel wird … nun ja.

Was erwartet die Besucher Ihres Vortrags am 13. Januar?

Hochwertiges Filmmaterial aus der Sahara, Jordanien, oder von meinem letzten Lauf über 520 Kilometer im Mai in Australien. Aber auch viele Fotos und Geschichten aus weit über 3.000 Wettkampfkilometern in den interessantesten Wüsten in China, Libyen, Ägypten, Kamerun, Jordanien, Namibia, Indien uvm.

Auf jeden Fall wird das Heimspiel ein besonderes: Für den Vortrag in Hennef werden wir Filme neu schneiden und eine andere Fotoauswahl treffen. Es wird also überraschend – gerade für mich – wie beim ersten Mal.

Fotos: Lux Musik Promotion und Konzerte GmbH

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