Leben

Interview mit Pfarrerin Annekathrin Bieling

Bieling

Seit dem 30. August ist Annekathrin Bieling als Pfarrerin in der evangelischen Kirche auf der Beethovenstraße in Hennef tätig. Fürs uns nahm sie sich etwas Zeit und beantwortete uns Fragen rund um ihren Werdegang, ihre ersten Eindrücke in Hennef und was sie sich für ihre Arbeit in unserer Stadt vorgenommen hat.

Frau Bieling, wie gefällt es Ihnen hier in Hennef?

Sehr gut. Ich wurde sehr herzlich empfangen. Es ist eine sehr lebendige Gemeinde, die einfach viel Ausstrahlung hat, so dass ich bis jetzt denke „das ist toll!“ und ich freue mich, einfach hier zu sein.

Wie kam es dazu, dass Sie Pfarrerin geworden sind?

Ich habe einfach in meiner Kindheit und Jugend schon viel mit Kirche und Gemeinde zu tun gehabt. Ich war in der Jugendarbeit tätig, im Kindergottesdienst und habe einfach Kirche als eine Gemeinschaft erfahren, die trägt und dass es einfach ein Ort ist, wo man sich wohl fühlen kann. Ich habe dann auch immer mehr gemerkt, dass ich nicht nur nebenamtlich oder ehrenamtlich in einer Gemeinde arbeiten will, sondern auch hauptamtlich als Pfarrerin.

Vor allem habe ich gemerkt, dass es mir wichtig ist, mit vielen Generationen zu tun zu haben. Das ist in diesem Beruf wie in kaum einem möglich, weil man eben wirklich von ganz klein bis ganz alt, alle Strukturen dazwischen und eben das volle Leben, also eben alle Höhen und Tiefen, die das Leben so zu bieten hat, mitbekommt. Das hat mich immer sehr angesprochen; so dass ich mir gesagt habe, Pfarrerin ist genau das Richtige. Ich hatte ursprünglich überlegt auf Lehramt zu studieren, Englisch und Musik. Ich habe sogar ein Semester angefangen, aber dann ziemlich schnell gemerkt, das ist nicht das Richtige.

Wie wird man Pfarrerin?

Man studiert zunächst Theologie. Das Studium dauert, je nach dem, zehn bis 14 Semester. Anschließend hat man eine sogenannte Vikariatszeit. Das ist ähnlich dem Referendariat bei dem Lehrern: Man ist für zwei Jahre in einer Gemeinde, hat zusätzlich Seminare und so die praktische Ausbildung fortsetzt. Danach kommt dann ein Probedienst und die Einsegnung in den Pfarrerdienst.

Das heißt, gearbeitet haben Sie immer als Pfarrerin oder haben Sie auch noch etwas anderes vorher gemacht?

Nein, gearbeitet habe ich bisher nur als Pfarrerin.

Und wo?

Ich war vorher in Sankt Augustin. Dort habe ich auch das Vikariat absolviert. Weil das dort aber eine befristete Stelle war, habe ich mich hier auf eine feste, unbefristete Stelle in Hennef beworben.

Welche Ziele haben Sie sich denn für Hennef gesteckt?

Erstmal alles kennenlernen, schauen was die Menschen brauchen, ja gucken was eben gerade Hennef jetzt braucht und ein Stück weit auch von der Kirche erwartet. Ich möchte gerne noch andere neue Gottesdienstformen anbieten. Also zum Beispiel: einen Literaturgottesdienst oder Kinogottesdienst – was auch noch einmal andere Altersgruppen anspricht. Gerne in der Arbeit mit Familien oder mit jungen Erwachsenen und darauf das Angebot erweitern.

Haben Sie sich besondere Schwerpunkte gesetzt?

Nein, mir sind Gottesdienst und Seelsorge wichtig. Seelsorge umfasst für mich einfach alles, wo man für Menschen da ist, sie begleitet, sie auch in ihrem Glauben begleitet und bestärkt.

Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche für die Kirche begeistern?

Zum einen durch viel eigene Freude. Ich denke es ist einfach ganz wichtig, dass einem Pfarrer, das was er tut auch wichtig ist, um einfach authentisch zu sein. Kinder zu begeistern ist glaube ich nicht die Schwierigkeit. Da reicht es oft schon, lebendige Geschichten zu erzählen, dann hat man die Kinder schon auf seiner Seite.

Viel schwieriger ist es, die Eltern zu überzeugen, die ihre Kinder zu uns schicken. Da ist viel durch persönlichen Kontakt möglich, durch besondere Projekte. Sie Eltern sollen merken, die Kinder können eine Zeit lang daran teilnehmen, dann ist auch in Ordnung, wenn sie eine Zeit lang etwas anderes machen. Damit sie nicht so das Gefühl haben, sie müssen jetzt immer da sein und sich verpflichtet fühlen, sondern, dass einfach deutlich wird, dass wir den Kindern etwas Gutes wollen.

Da gibt es hier in der Gemeinde schon unheimlich viel. In den Herbstferien gibt es zum Beispiel eine Zirkuswoche, die von unserer Jugendleitung durchgeführt wird. Dann gibt es Kirche für Kleine und Große, also ein Gottesdienst für alle Altersgruppen. Und es gibt viele Schulgottesdienste. Insofern muss ich in diesen Bereichen gar nicht soviel aufbauen, sondern einfach noch ein bisschen ergänzen, mittragen.

Können Sie sich vorstellen als Kirche auch neue Medien, wie zum Beispiel Facebook zu nutzen?

Soweit ich weiß, hat die Kirchengemeinde eine Facebookseite, die auch im Wesentlichen ganz gut gepflegt wird. Ich kenne das aus meiner bisherigen Arbeit, Facebook zu nutzen um vor allem mit den Menschen in Kontakt zu bleiben: Gerade auch mit den jugendlichen Mitarbeitern, zum Beispiel Angebote zu posten und dadurch in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

Jetzt haben wir grade erst einige Flüchtlinge aufgenommen. Ein paar Hennefer Bürger haben Sorgen, dass es durch Menschen, die aus fremden Kulturen kommen, mehr Gewalt geben könnte und das man vielleicht ein bisschen besser aufpassen müsste jetzt. Meinen Sie, dass die Kirche da den Hennefer Bürgern ein bisschen diese Angst nehmen kann?

Das denke ich schon, gerade durch Gesprächsangebote oder auch im Einzelgespräch. Vereinzelt äußern Menschen das auch uns gegenüber und dann können wir ins Gespräch gehen. Geplant ist im Dezember eine Predigtreihe. Das heißt, dass wir für eine bestimmte Anzahl an Sonntagen, uns ein bestimmtes Leitthema vornehmen und dazu dann auch predigen und dabei auch auf die Flüchtlingsthematik eingehen.

Mit Blick in unsere Bibel können wir einfach nur sagen, die ist voll von Flüchtlingsgeschichten. Ganz viele wichtige biblische Persönlichkeiten waren selbst mal auf der Flucht, inklusive Jesus. Also eigentlich sind gerade wir diejenigen, die davon erzählen können, dass es wichtig ist, für Menschen da zu sein, die flüchten müssen. Keiner macht das gerne oder freiwillig. Ich bin mir sicher die Menschen wären alle sehr gerne in ihrem Land geblieben und in ihrer Heimat. Es ist jetzt einfach unsere Sache, in Kontakt zu kommen, Angst zu nehmen und im Gegenteil, auch aktiv zu werden und die Menschen einzuladen.

Artikelfoto: Christiane Orth

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