Wirtschaft

Hennefer Wirtschaftsgespräche: Premiere gelungen

Zur den ersten „Hennefer Wirtschaftsgesprächen“ folgten am 17. August mehr als 60 Gäste der Einladung in die Meys Fabrik, wo sich unter dem Motto „Gutes Internet – Böses Internet“ eine dynamische Diskussion über Chancen, Risiken und Brücken des Internets entwickelte. Moderator Georg Schneider leitete mit ebenso humorvoller wie ernster Art die rund 90-minütige Debatte mit Hennefer Unternehmern und Bürgern. Hierzu waren fünf Podiumsreferenten geladen, die aus ihrem Wirkbereich im täglichen Geschäft berichteten. So sprachen im Dialog vor Ort Henning Borgmann, Geschäftsführer des Kinderschuhfachgeschäfts SchuhWieDu, Anton Gillert, Geschäftsführer der Druckwege GbR, Anja Merten, Inhaberin im Büro merten architektur+design, Marc C. Schmidt, Inhaber der Agentur FRESH INFO +++ sowie Florian Zillger, Geschäftsführer der LABC-Labortechnik Zillger KG.
 
„Ubiquität“, so begrüßte Florian Reil die Gäste, „wurde früher und wird heute theologisch als die allumfassende Präsenz Gottes bezeichnet. Heute, wird der Begriff aber auch für räumlich unbegrenzte Produktions- und Distributionsverfügbarkeit genutzt. Für Letzteres trägt das Internet eine sehr prägende Gestalt.“ Der Veranstaltungs-Mitorganisator und Geschäftsführer der Hennefer 3D-Druck-Firma DruckWege führte mit einem Kurzvortrag in das Veranstaltungskonzept und das Thema des Abends ein.

Gibt es ein gutes oder böses Internet überhaupt? So lautete die Eingangsfrage an Marc C. Schmidt. „Das Internet ist ein Spiegel der Gesellschaft mit allen positiven und negativen Eigenschaften. Es ist nur etwas schneller, direkter und mitunter transparenter als das wahre Leben. Für mich persönlich ist es vor allem ein sehr wirkungsvolles Werkzeug,“ erläuterte Schmidt.
 

Vor- und Nachteile des Internets

Wo die Vor- und Nachteil des Internets liegen, wußte Henning Borgmann zu beantworten: „Sie liegen beispielsweise gleichermaßen in der Anonymität. Für Konsumenten manchmal zum Vorteil, kann es für den Unternehmer ein Problem bedeuten. Die Auffindbarkeit im Netz ist sicher ein Riesenvorteil – es ist das A und O für Firmen zumindest dafür das Internet zu nutzen. Leider gilt für viele Konsumenten: Bist du nicht auf Google, gibt es dich nicht. Auch wenn das natürlich nicht stimmt, so kann dies eine Haltung des Konsumenten sein. Weitere Nachteile sind ebenso im Bereich der Infrastruktur von Onlineshops zu wählen und des hohen Pflegebedarfs des digitalen Lagerbestands, der sich im Alltag, im Geschäft, manchmal schnell überlagern kann.“
 
Bewußt über eine aktive Nutzung eines Onlineshops argumentierten Anton Gillert und Florian Zillger für ihre Unternehmen als vorteilhaft, wenn es um spezielle Fachprodukte gibt. Folglich sei weltweiter Handel mit Spezialprodukten, bei LABC mit Laborgeräten, bei DruckWege mit Rohstoffen für 3D-Drucker, erst dadurch möglich, dass E-Shop-Strukturen genutzt werden. Aber eben nicht nur, wie Florian Zillger aufführt: „Fachspezifische Produkte werden über das Internet vertrieben, ebenso ist die Beratung per Telefon und im Gespräch Face-to-Face absolut notwendig, weil wir uns darüber von anderen abgrenzen. Die Beratung erfolgt im persönlichen Gespräch mit dem größten Erfolg. Trotzdem merken wie natürlich, wie das Internet unser tägliches Doing beeinflusst, was man am Verhältnis von Anfragen zu Produkten ablesen kann. Dabei ist das Verhältnis Anruf zu E-Mail bei ca. 1:10.“
 

Wo die Vorteile des Internets für DruckWege liegen, beantwortet Anton Gillert: „Das Internet ist gerade für Start-ups wichtig, weil es von Anfang an Sichtbarkeit bedeutet. In der Startphase eines Unternehmens hilft dies schnell potenzielle Kundenkreise zu erreichen.“ Zum Thema Plattformen und Sorge über die Macht einzelner zentraler „Datenkraken“ großer Onlineshops, wie es ein Statement von Willi Fuchs aus dem Publikum beschrieb. Es sei wichtig sich von der Philosophie einer „anonymen Subunternehmerkultur“ abzugrenzen, die dadurch begünstigt würde. Gillert ergänzt: „Für  uns waren Plattformen aber auch der Ausgangspunkt, um uns hochzustrampeln. Das lukrative Geschäft findet aber außerhalb davon statt und wird durch intensive und nachhaltige Beratung geprägt.“
 

Digitalisierung und Internet der Dinge

Über das Internet der Dinge und Digitalisierung beschrieb Frau Merten ihre berufliche Berührung: „Für uns als Architekten nutzen wir das Internet nicht nur für die Ortsungebundenheit der Projektabwicklung, sondern auch um spezielle Dienstleistungen umzusetzen. Moderne Häuser beinhalten moderne Kommunikation und die Anbindung von funktionellen Geräten mit dem Internet. Um dies zu verstehen, den Kunden zu beraten, aber auch andersrum die Bedarfe des Kunden umzusetzen, erfordert die stetige Beschäftigung mit dieser neuen Technologie. Die Geschwindigkeit ist bahnbrechend, für jedes Gewerbe. Das heißt für uns up to date zu sein und sich aktiv damit zu befassen.“
 

Dynamisch wurde ebenso in der zweiten Forumshälfte unter intensiver Einbindung mit dem Publikum weiterdiskutiert. So beschrieb Herr Fielenbach: „Für uns als Handwerker kommt es vor, dass Kunden die Arbeit vor der Wand gerne aus dem Internet beziehen und das was in der Wand liegt vom Handwerk machen lassen. Der Preiskampf wird dadurch extrem beeinflusst. Aber: zwischenmenschliche Geschichten sind das, was zieht und daraus können wir uns positionieren.“
 
Edmund Mettinger resümierte eine Sichtweise mit Bezug auf Registrierung in sozialen Medien und Suchmaschinenlistings: „Wenn ich gefunden werden will, muss ich den Quatsch machen, den dumme Leute machen.“

„Ich habe Menschen als Coach in Veränderungsprozessen begleitet. Wir müssen alle mutig sein und daran glauben, dass wir das Beste daraus machen können. Wir leben aktuell in dieser Zeit und müssen das Internet als gegenwärtigen Teil dieser sehen und lernen damit umzugehen, es mitzugestalten. Aufhalten können wir es nicht“, so Martina Reinholz.
 

Einzelhandel versus Internetgiganten

Viele weitere Wortmeldungen und Diskussionen wurden darüber geführt, wo sich der Einzelhandel ferner von den Internetgiganten abgrenzt und wo er sinnvoll miteinander agiert. In allen Fällen war klar, eine klare Abgrenzung ist schwierig, aber der Mensch hat es selber in der Hand, denn auch das Internet ist „menschgemacht“ und Menschen lieben Stories: im Verkaufsgespräch, zum Produkt, über die Firma und Dienstleistung. Fragestellungen, bei denen sich das Gewerbe und auch der private Mensch gleichermaßen aktiv mit befassen müssen, sei vor allem die Sicherheit. Wie werde mit privaten Daten verkehrt, wie werden Informationen gespeichert, die Hintergründe zum Kaufverhalten zulassen. All dies sei wichtig im Umgang mit dem Internet, aber auch eine beeinflussbare Komponente des Konsumenten und Unternehmers selbst: denn man könne immer noch für sich selber entscheiden, was man für sich selbst zulasse. 

Die Veranstaltung wurde begleitet mit wertschätzendem und unterstützendem Applaus für jede Wortmeldung und allen Beiträgen aus Publikum und Podium. Geschlossen wurde der Abend mit Getränken und Snacks im Foyer der Meys Fabrik, zudem wurde die Gelegenheit zum lokalen Netzwerken genutzt.

Fotos: Nicola Schneider | Hennef Magazin

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