Wirtschaft

Florian Reil und Anton Gillert: Unternehmer aus Hennef

Diesmal haben wir mit zwei jungen Unternehmern gesprochen: Florian Reil und Anton Gillert haben im Jahr 2015 das Start-up DruckWege GbR gegründet, das seit Juni 2016 in Hennef ansässig ist. Die beiden Fachleute bringen mit ihrem Unternehmen eine Technologie in die Region, deren Vorzüge erst gerade vom Mittelstand entdeckt wird: den 3D-Druck.

Wie ist die Geschäftsidee von „DruckWege“ entstanden?

Gillert: Wir haben uns überlegt, im 3D-Druckbereich Fuß zu fassen. Das hat so historische Wurzeln in einem Hobby: 2009 fing das mit einer Grassroot-Bewegung an, der 3D-Druckbereich in einem nicht-industriellen Rahmen. Es hat damit zu tun, dass in diesem Zeitraum die ersten Patente auf den 3D-Druck ausgelaufen sind, dadurch gab es in der Open-Source- und Maker-Bewegung den Hype, sich selber 3D-Drucker zu bauen.

Wir haben das verfolgt und dann irgendwann beschlossen, das machen wir auch. 2009 haben wir aus Dänemark, aus einem Hackerspace, Teile für diesen Drucker drucken lassen, uns aus Deutschland die restlichen Metallteile besorgt, das Ding dann peu à peu zusammengebaut und gelernt, wie alles funktioniert und Sachen ineinander greifen.

Im Endeffekt haben wir da die ersten Schritte unternommen, die ganze Sache danach ein bisschen abkühlen lassen, aber weiterhin verfolgt. Um 2012 herum gab es nochmal einen größeren Knall, da wurden andere 3D-Drucker kaufbar und vor allem günstiger, so dass wir uns dann überlegt haben, was können wir da schaffen – wie können wir da reinkommen? Im Endeffekt haben wir uns entschlossen, eine Firma zu gründen, um den 3D-Druck hier in der Umgebung Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen näher zu bringen.

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Der erste und selbst gefertigte 3D-Drucker.

Und wie erreichen Sie die Kunden?

Gillert: Als wir angefangen haben, haben wir uns ganz klassisch überlegt, versuchen wir das über zu der Zeit sehr populäre Plattformen – zum Beispiel 3DHubs, in den Niederlanden gegründet – unsere Dienstleistung feilzubieten. Damit haben wir gestartet. Anfangs, als der Markt noch nicht so übersättigt war, haben wir unsere ersten Erfahrungen gemacht im 3D-Druck mit unseren Geräten, die wir uns dann besorgt haben. Wir haben uns schließlich weg von den selbst gebauten hin zu semiprofessionellen Maschinen bewegt. Das Selbstgebaute kann zwar auch drucken, aber die Kalibrierung und der Maintenance-Aufwand, das kann man nicht wirtschaftlich betreiben. Deshalb haben wir uns zwei zuverlässige Maschinen besorgt und mit denen gestartet. Anfangs sehr viel im Bereich von Privatkunden, von Handyhüllen bis kleinen Modellen, Ersatzteilen, teilweise auch an Unis Aufträge abfertigen können.

Das hat dann so ein bisschen Fahrt aufgenommen, wobei wie relativ schnell gemerkt haben, dass in diesem Markt relativ viel Bewegung und so viel Platz für Ideen ist. Wir haben dann festgestellt, es gibt verschiedene Arten von Druckern, wir haben hier zwei Typen von Druckern versammelt: Das eine sind FDM-Drucker, die basieren auf einem Schichtverfahren, bei dem eine Plastikschnur aufgeschmolzen und würstchenweise abgelegt wird. Die anderen Drucker basieren auf Laser und Epoxidharz, eine Art flüssiger Kleber, der durch den Laser ausgehärtet wird. Dabei taucht ein Stift in diese Flüssigkeit ein, wird von unten mit einem Laser angeleuchtet, und das Material härtet dann peu à peu aus; der Stift zieht das quasi aus der Flüssigkeit heraus.

Das klingt sehr viel aufwändiger …

Gillert: Ja, das ist sehr viel aufwändiger, weil man mit diesen Harzen hantiert und verschiedene Chemikalien hat. Wir haben uns ein kleines Chemielabor aufbauen müssen, um diese Stoffe zu handlen. Dabei haben wir schnell festgestellt, dass es da Verbesserungspotenzial gibt und unser Portfolio erweitert. Die Hersteller von diesen Druckern haben ein ähnliches Konzept wie die Hersteller von 2D-Druckern, die die Verbrauchsmaterialien im Verhältnis zum Drucker relativ teuer machen. Wir hatten Probleme, unsere Leistungen kostengünstig anbieten zu können, weil die Verbrauchsmaterialien so unglaublich teuer und nicht zuverlässig waren.

In diesem Zuge haben wir neben der Abwicklung der Druckaufträge noch ein eigenes Produkt entwickelt, was mit Refill-Produkten vergleichbar ist. Wir haben mit einem großen Chemielieferanten hier in Europa einen exklusiven Vertrag, dass wir von diesem die Chemikalien beziehen können. Diese verpacken wir und labeln die um für genau diesen Anwendungszweck, wozu auch Know-how gehört, was wir uns angeeignet haben, und bringen dann für die Klasse von Druckern unser „ReCoat pouch“ heraus.

Reil: Seither haben wir schon um die 200 Pouches verkauft. Das ist für die Hersteller so ein bisschen ein Dorn im Auge, weil sie darüber ihre eigenen Produkte nicht loswerden. Aber in der Maker-Szene haben wir nach und nach Leute gefunden, die gesagt haben „das ist eine total tolle Idee, über die ich 60-70 Prozent der Kosten spare“. Seit Anfang des Jahres verkaufen wir die Pouches auch über einen kleinen Online-Shop und das kommt super an. Wir liefern nach ganz Europa, bis nach Mexiko, in die USA und nach Japan – sogar zu Herstellern selber.

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Die Produktionsstätte in Hennef.

Nach der Produktion sind also eigene Produkte dazugekommen. Ist es dabei geblieben?

Reil: Wir haben gemerkt, dass die Dienstleistung – das Drucken als solches – also das Engineering und Zeichnen für Kunden mit dieser Produktentwicklung eine sinnvolle Ergänzung war um Kosten zu sparen und haben mit verschiedenen Suppliern am Markt Verkaufsdeals gemacht, dass wir hier in der Region die Materialien beziehen, und sind Wiederverkäufer mit dem Kundenkontakt und Beratung bei den Materialien. Diesen Service lassen wir uns bezahlen und verdienen damit auch ein Stück weit. Wir haben in unserem Bauchladen einerseits die Dienstleistung, den Verkauf von Materialien und auch eigene Produkte.

Der 3D-Druck ist ein Stück weit so eine Art Romantik, getrieben von der Maker-Szene, und durch die wir letztendlich auch auf die Materie gekommen sind, die irgendwo ihre Grenze hat, was Qualitäten und Marktdurchdringung und so weiter anbelangt. Das Produkt, das man von uns kaufen kann, entspricht zwar 1:1 einer 3D-Zeichnung, aber es ist trotzdem eine experimentelle Produktion.

Man nutzt es eher für den Prototypenbau und weniger für die Kleinserie oder die Großserienfertigung. So dass nach dem zweiten Jahr sich auch unsere Klientel verschoben hat. Wir haben jetzt viel mit Mittelständlern zu tun, auch mit der Industrie im Formbau, Werkzeugmachern – also ganz klassische Maschinenbautechnik – die erkannt haben, dass sie 80 bis 90 Prozent Kosten sparen können. Das macht unwahrscheinlich viel Laune, denn so sind wir stärker noch am Entwickler dran. Die Produkte führen wieder als Halbzeug zu einer Fortentwicklung für größere Gewerke oder Produkte, und das ist auch das, wo wir sehen, dass sich ein 3D-Druck hinbewegen muss.

Also die Handyschale ist natürlich im Spritzgussverfahren aus einem vielleicht importierten Gewerk wesentlich günstiger und will gar nicht konkurrieren mit dem, was wir aus dem 3D-Drucker holen. Aber da wo es darum geht, aufwändige Formen oder Prototypen schnell zu bauen oder von groß auf klein zu skalieren, da ist der 3D-Druck gut platziert.

Wieso fiel der Unternehmensstandort auf Hennef?

Reil: Ich bin waschechter Hennefer, Anton Gillert ist Siegburger. Wir haben angefangen, in den Kellern zu produzieren …

Gillert: … tatsächlich wie eine Garage, nur eben ein Keller …

Reil: und damit fiel die Geschäftsanmeldung auf den Wohnort. Nichtsdestotrotz haben wir im gesamten Kreis bis nach Bonn und Köln Kontakt zu 3D-Druck-Enthusiasten gefunden, mit denen wir uns austauschen. Auch die Kunden waren dankbar, weil sie schnell von der Autobahn zu uns kamen, um beispielsweise Bauteile abzuholen.

Wir haben mal rechts und links geschaut, wer in dem Bereich so unterwegs ist. In Köln gibt es zwei Firmen, in Bonn keine, und dann kommt wieder erst etwas in Koblenz und Kassel. Da sind wir gar nicht so schlecht platziert, und Mittelstand gibt es hier ja auch relativ viel.

Gillert: Ganz viele von unseren jetzigen Kunden haben geschaut, was ist in der Nähe. Es gibt sehr viele Online-Dienstleister, vergleichbar mit eBay oder Amazon, wo man über ein Webinterface sein Modell hochlädt, und diese liefern dann innerhalb von ein bis zwei Wochen. Obwohl diese das teilweise günstiger anbieten als wir, wissen die Kunden, die zu uns kommen, es gibt den 3D-Druck, aber schauen nach der Postleitzahl und was ist in der Umgebung. Für die ist der direkte Kontakt, die Kommunikation wichtiger, als ein paar Euros zu sparen.

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Ein 3D-Drucker im FDM-Verfahren bei der Arbeit.

Wie kommt das Thema 3D-Druck bei Unternehmen an?

Gillert: Wir haben in Gesprächen häufiger festgestellt, dass Leute denken „wir können ja gar nichts drucken – das macht ja gar keinen Sinn“. Im weiteren Gespräch stellt man dann doch fest, dass die Firmen ihre CAD-Zeichnungen jeden Monat an eine Schmiede schicken. Die erhalten dann drei Monate später den Rohling zurück und stellen fest, dass aus der Zeichnung die Informationen falsch interpretiert wurden.

Heute lässt das Unternehmen erst von uns die CAD-Zeichnung mit einem 3D-Drucker in die Realität bringen, dadurch hat die Schmiede ein physikalisches Muster zum Anfassen und kann so ihr Erzeugnis direkt abgleichen. Dadurch ist der Prozess viel kürzer geworden, benötigt weniger Interaktionen und spart Kosten. Oft fehlt aber die Transferleistung: Was bedeutet das für meinen Bereich? Viele Mittelständler hier in Hennef könnten mit uns so viel mehr an ihren Prozessen, Abläufen betriebsintern optimieren – und da wollen wir auch hin.

Reil: In einer kürzlich erschienen Studie von Ernst & Young zu den Ausbaupotenzialen des 3D-Drucks in der Anwendung, sagen 30 bis 40 Prozent der Unternehmen, dass sie auf diese Technologie setzen wollen, weil sie den Prototypenbau und die Kleinserienfertigung damit wunderbar bedienen können. Aber was sie davon abhält, ist das fehlende Wissen. Der Mangel an Know-how hält sie derzeit davon ab, in 3D-Druck zu investieren.

Unsere Kunden sind froh, wenn sie uns ihre Anforderungen an den Temperaturbereich oder die Schlagzähigkeit mitteilen, und wir haben dann einen ganzen Fuhrpark an Materialien. Man kann mit dieser Produktionsorientierung einen unwahrscheinlich guten Wurf landen im direkten Miteinander, in der Entwicklung über das Wissen der Materialien, also im Consulting, was wir genauso mitverkaufen. Das Wissen und wie es auf den Printer orientiert wird, das ist so die Crux an der Materie.

Bei einem Kunden haben wir als Consultingleistung ausgearbeitet, das sind eure Produkte und das könnt ihr als Alternative durch den 3D-Druck ersetzen, und darüber haben entsprechende Kosten-Nutzungs-Modelle aufgestellt. Oder auch andere haben gesagt, wir kommen mit unseren Geräten nicht weiter, könnt ihr uns da weiterhelfen – von der Maker-Szene bis hin zu Mittelständlern, die anfangen, solche Geräte zu etablieren.

Gillert: Darüber hinaus gibt es noch andere Druck-Verfahren wie SLS und andere, mit denen wir uns auskennen und mit denen wir bereits gearbeitet haben, und haben Kontakt zu Herstellern in Europa geknüpft, so dass wir auch für größere Kunden die optimale Lösung abschätzen und sie beraten können.

Wie ist Ihre Erfahrung mit der Gründung in Hennef?

Reil: Das Gründen an sich war supereinfach. Wir haben uns morgens getroffen, sind dann ins Bürgeramt rein und haben erklärt, was wir vorhaben. Die haben sich gefreut, und dann ging es ruckizucki.

Würden Sie sich – beispielsweise von der Stadt – mehr Vernetzung wünschen?

Reil: Ein Stück weit war das insgeheim meine Hoffnung. Wenn man ein Gewerbe anmeldet, wird ja irgendwann am Ende des Monats irgendwer eine Registratur erhalten, dass es fünf neue Unternehmen gibt. Am Ende ist es ja monetär gesehen der Stadt dienlich, dass hier eine Entwicklung passiert. Offensichtlich gab es das nicht oder man konnte sich unter dem Namen der GbR nichts vorstellen. Das ist aber ausgeblieben, wir würden uns das aber wünschen.

Haben Sie auch etwas konkret hier in Hennef geplant?

Reil: Ja, wir haben ein eigenes Schulungskonzept entwickelt und werden am 15. Oktober einen Workshop für den Selbstbau eines 3D-Druckers organisieren. Wir werden einen Überblick über die Technologie und die Machbarkeit geben. Man kann Grundlagen mitnehmen, man lernt etwas über die Technik und kann nach sechs Stunden sein eigenes Gerät sowie ein erstes gedrucktes Element mit nach Hause nehmen.

Fotos Marc C. Schmidt | Hennef Magazin

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