Wirtschaft

Clemens Wirtz: Unternehmer aus Hennef

Clemens Wirtz, Unternehmer aus Hennef

In der neuen Interviewreihe „Unternehmer aus Hennef“ stellen wir künftig regelmäßig Unternehmerpersönlichkeiten aus Hennef vor. Als Erster kommt Clemens Wirtz zu Wort: Der Projektentwickler ist seit 1994 selbständig und hat seither eine ganze Menge Immobilien in Hennef und Umgebung errichtet. Im Gespräch verrät er mehr über seinen Beruf, seine vielen Ideen und warum er bereit wäre, einfach mal „Krusten aufzubrechen“.

Herr Wirtz, welche Leistungen bietet ihre Firma genau an?

Die hauptsächliche Leistung, die ich anbiete, ist der An- und Verkauf von bebauten und unbebauten Grundstücken. Das heißt, aus dem eigenen Bestand heraus entweder projektierte Grundstücke weiterveräußern oder selber erstellen und dann die Immobilien als ein Gebäude oder eben als verschiedene Eigentumseinheiten weiterveräußern. Dazu kommt noch ein gewisser Teil Maklertätigkeit, wo ich dann Fremdobjekte für Kunden auch vermittele. Aber das ist eher der untergeordnete Bereich.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sie insgesamt?

Einen – mich selbst. Ja, es ist eine „One-Man-Show“, bei der meine Frau die Buchhaltung macht und sich um diese Dinge kümmert. Aber ansonsten haben die Kunden immer den großen Vorteil: Sie haben immer mit mir zu tun.

Seit wann sind sie schon selbstständig?

Seit 1994.

Wieso haben sie sich entschieden sich selbstständig zu machen?

Ich habe an der Universität Köln Betriebswirtschaft studiert, bin also Diplom-Kaufmann und habe dadurch eine gewisse kaufmännische Ader. Ich hatte als Spezialgebiet Marketing, bin also in den Gebieten Verkauf und so weiter nicht ganz unbedarft. Wir hatten von Haus aus einige Immobilien. Das Thema hat mich immer gereizt.

Zudem wollte ich gerne mein eigener Herr sein und für den eigenen Erfolg – aber auch für den eigenen Misserfolg – verantwortlich sein. Das war ein Hauptgrund nicht irgendwo angestellt zu sein. Ich habe mich dann relativ zügig nach einer gewissen Überlegungszeit selbstständig gemacht, mit einem „Kaltwasserstart“ direkt mit zwei großen Objekten, die mir beide gut gefallen haben. Und dann ist es dabei geblieben – und ich mache es gern.

Haben sie sich direkt nach dem Studium selbstständig gemacht?

Ich habe ein Jahr lang für eine Projektmanagementfirma in Essen gearbeitet. Das war aber eher im vertrieblichen Bereich und weniger für das Produkt Immobilien. Das war so ein bisschen reinschnuppern. Diese Angstestelltentätigkeit hat mich in der Entscheidung bestärkt, das doch selbstständig zu machen.

Warum haben sie Hennef als Standort gewählt?

Weil ich seit 1963 in Hennef lebe. Auch während des Studiums bin ich nur geringzeitig weggezogen. Ich mag die Stadt, ich mag die Menschen, ich mag die gesamte Region hier. Ich habe immer das Gespür gehabt, hier ist noch nicht das Ende, was die Entwicklung anbelangt. Die letzten Jahre haben es ja auch gezeigt. Hennef und die Region – ich nehme jetzt auch mal meinen Tätigkeitsbereich, der auch die Region Siegburg, Hennef, Sankt Augustin, schon mal Troisdorf umfasst – haben noch viel Potenzial. Davon habe ich den letzten Jahren auch einiges abgedeckt.

Sie haben gerade ihre Region aufgezählt. Ist Hennef der Kernbereich?

Hennef ist schon der Kernbereich. Es kommt gerne mal was anderes dazu, aber als Hennefer ist man natürlich auch in Hennef am besten verdrahtet und vernetzt. Wie gesagt, ich bin Hennefer, das kann ich dann auch am besten transportieren, wenn ich da meine Projekte habe.

Wie lange hat es dann gedauert, bis sich ihr Unternehmen so etabliert hat?

Das ging erfreulich schnell. Zwei, drei Jahre, dann war es gut. Die ersten Jahre waren schon aufregend. Ich habe ja von so einem „Kaltwasserstart“ gesprochen. Ich hatte grade ein Jahr mein Unternehmen, und dann habe ich die ganze Ecke in Stoßdorf entwickelt, hinten, wo jetzt der Edeka ist. Das waren dann im zweiten Jahr der unternehmerischen Tätigkeit mal 24 Häuser, ein Edeka-Markt, eine Kreissparkassen-Filiale – damit waren sie eigentlich im Markt drin.

Was mögen sie an ihrem Beruf am meisten?

Die Vielfältigkeit, den Umgang mit den Menschen und vor allem den Umgang mit den ganz unterschiedlichsten Menschen. Da ich auch selber bauen lasse, verliert man auch nie die Bodenhaftung, weil ich auch sehr gerne mit den Arbeitern vor Ort umgehe. Aber sie haben dann natürlich auch Leute, die sich für eine Million eine Eigentumswohnung leisten. Das Spektrum ist sehr weit gefächert und das ist eigentlich das Interessante.

Was war denn das größte Projekt bisher?

Ich habe auf Sylt gebaut; da sind natürlich die Preise deutlich anders. Insofern kommen sie dann mit einem Doppelhaus schon mal schnell auf ein Volumen von fünf Millionen. Wenn sie dann aber die Anzahl der Einheiten ansprechen, dann ist sicherlich das Projekt ganz am Anfang hinten in Stoßdorf eines der größeren gewesen. Und auch im Königsberger Weg in Stoßdorf, das waren sieben Doppelhäuser. Das Geschäftsvolumen ist im Jahr immer so zwischen drei und fünf Millionen.

Gehören diese großen Projekte auch eher zu den interessanteren oder haben auch kleinere ihren Reiz?

Die kleinen haben oftmals sehr viel Charme und erfordern auch eine ganz besondere Betreuung. Die großen sind natürlich in der Abwicklung zum Teil komplizierter, aber das verwässert dann natürlich auch so ein bisschen den Kontakt zum Kunden. Also wenn sie ein Objekt haben, für das sich ein Kunde interessiert oder sie bauen für einen, dann ist es immer der eine über vierzehn Monate. Wenn ich jetzt gerade im Siegbogen elf Eigentumswohnungen baue, habe ich elf Kunden und sie können für elf nicht so da sein, wie für einen einzelnen.

Clemens Wirtz, Unternehmer aus Hennef

Gibt es etwas, auf das sie als Unternehmer besonders stolz sind?

Also ich bin wirklich stolz darauf, dass ich sehr wenige Mängel oder Dinge habe, die die Leute hinterher belasten. Und dass ich eigentlich zu jedem Objekt heute noch fahren kann, werde dort immer noch freundlich begrüßt, und die Leute sind glücklich und zufrieden. Und, dass ich auch mittlerweile Zweit- und Drittkäufer habe. Das heißt Kunden, die von mir schon mal gekauft haben, deren Lebensumstand sich geändert hat, bei denen die Kinder ausgezogen sind und jetzt ein Zwei-Personen-Haus suchen. Die rufen mich gerne an und sagen: „Herr Wirtz, haben Sie nicht was für uns“? Wenn sie nicht zufrieden gewesen wären, dann würden sie das ja nicht tun. Diese Zufriedenheit der Kunden, das ist wirklich das, worauf ich stolz bin.

Was hat sich denn seit der Gründung ihres Unternehmen am stärksten verändert?

Also wenn ich an 1994, 95, 96 denke, war Hennef noch ziemlich verschlafen. Eines meiner Anfangsprojekte war oben zum Beispiel an der Kapellenstraße in Hennef-Ost, hinter dem Friedhof, in unmittelbarer Nähe der Autobahnanschlussstelle, wo jetzt auch dieses neue Gewerbegebiet Kleinfeldchen entstehen soll. Da waren fünf Doppelhäuser. Zu dem Zeitpunkt hat man gesagt „jetzt spinnt der Wirtz total, jetzt baut der in der Nähe der Autobahn und am Friedhof“ – es gab da noch nichts.

Die Dynamik hat sich unglaublich verändert. Damals konnte man noch im Prinzip mehr oder weniger frei wählen: Das Grundstück hätte ich gerne, da würde ich gerne was machen und heute ist das Hauptproblem die Grundstücke zu bekommen. Dieses verschlafene Etwas, Noch-nicht-geweckt-sein der Stadt Hennef. Dadurch ist natürlich auch die Konkurrenz größer geworden. Vielleicht war ich damals noch einer der Vorreiter in den Projekten. Aber dann ist es ganz normal, dass man denkt „ja, wenn der Wirtz hier zurecht kommt, dann kann es mir ja auch so gehen“.

Heute ist es einfach etwas schwieriger geworden sich zu positionieren, und dann muss man im Prinzip auch seine Nischen finden. Ich lege Wert auf Top-Lagen und auf hohe Qualität, nicht unbedingt auf einen günstigen Preis. Mein Anspruch ist etwas anders.

Welche Auswirkung hat denn das Internet auf ihre Tätigkeit?

Also in den Anfängen hat man seine Anzeige natürlich noch per Fax an die Zeitung geschickt und die wurden dann abgetippt. Heute ist zum Beispiel Immoscout24 natürlich ein fantastisches Portal. Man kann Projekte völlig anders darstellen. Man kann den Leuten über die Visualisierung im Prinzip zeigen, wie die Wohnung sein wird, und wenn sie wollen, kann man sie sogar noch möblieren.

Das ist natürlich ein gewaltiger Schritt, eine Erleichterung. Andererseits muss ich immer sagen, ich habe ein Premium-Paket bei Immoscout, das kostet im Monat so um die 500 Euro. Ich annonciere aber trotzdem mittwochs immer noch im Extra Blatt für 76,50 Euro. Wenn ich dann sehe, wie die Resonanz auf dieses ja eigentlich profane Extra Blatt mittwochs ist, wo man ja denkt, die Meisten schmeißen es direkt ins Altpapier, ist das schon sehr erstaunlich.

Die Resonanz auf das Extra Blatt ist wirklich ungebrochen. Man merkt es auch, wenn man so ein bisschen analysiert wer sich meldet, sehen sie da ganz klar einen Generationenunterschied. Ganz viele ältere Leute rufen dann donnerstags an und sagen: „Ich habe gestern das Extra Blatt gelesen, da haben Sie ja eine Anzeige drin“. Von den Jüngeren kriegen sie E-Mail-Anfragen über Immoscout.

Ich bin da noch sparsamer – in Anführungsstrichen. Es gibt ja im Extra Blatt auch Anzeigen mit Bild. Ich mache Textanzeigen. Man denkt ja, das interessiert heute in der neuen Zeit keinen Menschen mehr. Aber in Relation zum Aufwand ist das eine unglaubliche Quote, die man über das Extra Blatt hat.

Wenn sie jetzt Bürgermeister in Hennef wären, gäbe es etwas, was sie ändern würden?

Ich glaube, das ist aber nicht das Thema des Bürgermeisters direkt. Vielleicht doch, weil er der erste Vorsitzende der Verwaltung ist. Oftmals hinkt man ein bisschen zu sehr den Entwicklungen hinterher und man sucht vielleicht auch zu wenig den Kontakt zu denen, die sich tagtäglich am Markt mit den Dingen beschäftigen.

Ich weiß nicht, ob man wirklich genau weiß, wie viel Zuzugskraft der Innenstadtbereich von Hennef hat und wieviele Anfragen bei mir und bei meinen Kollegen zum Wohnen in der Stadt kommen – wie will man das realisieren? Da muss man aus meiner Sicht einfach auch mal Krusten aufbrechen. Es war jetzt ein Bericht im Kölner Stadtanzeiger über eine Studie eines Architekturbüros, die eine Hochhausgalerie rund um den Kölner Ring simuliert hat. Das ist sicherlich sehr übertrieben dargestellt, soll aber auch provozieren, um zum Nachdenken anzuregen.

Aber ich sage jetzt mal ganz klar: „Warum beschränkt man sich heute noch an der Frankfurter Straße auf bestehenden Höhenlinien für Gebäude? Warum sagt man nicht einfach: Das war einmal. Die Bebauungspläne sind von 1950, 1960, 1970, wir lassen jetzt hier auch mal fünf Vollgeschosse zu – oder sechs“. Es würde niemanden stören. Man ist da so in alten Krusten verhaftet, und wenn dann die Nachfrage kommt, dann steht man so ein bisschen da und sagt „Ja, haben wir nicht“.

Ich kann aus meiner unternehmerischen Tätigkeit sagen: Gibt es nicht, gibt es wirklich nicht. Es muss machbar sein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn man frühzeitig diesen Weg einschlägt und auch intensiv einschlägt, auch mal einfach vielleicht eine unbequeme Entscheidung trifft, oder ein Thema anspricht, was nicht so besonders beliebt ist. Das führt aber immer zu einer weitergehenden Entwicklung. Also ich glaube, ich würde die Innenstadtentwicklung progressiver angehen.

Was würden sie einem jungen Unternehmer, der sich jetzt selbstständig machen möchte, empfehlen?

Ja, das Wichtigste ist, finde ich, er muss von der Sache hundertprozentig überzeugt sein. Er muss Mut haben und er sollte sich von anfänglichen Misserfolgen überhaupt nicht irritieren lassen. Die gehören dazu. Das ist zwar nicht besonders schön, ich habe die auch gehabt, aber die gehören dazu. Ich muss auch sagen, aus den schlechten Ergebnissen lernen Sie mehr als aus den guten. Denn immer nur gute, führen auch zu einer gewissen Selbstzufriedenheit.

In meiner Zeit, also in meiner unternehmerischen Tätigkeit, hat es Projekte gegeben, wenn sie dann am Ende des Jahres den Strich drunter gemacht haben, war man über das Ergebnis nicht besonders erfreut. Aber wenn man dann die Leute, die in diesen Immobilien zum Beispiel wohnen, sieht, wie glücklich die sind, dann bestärkt sie das weiterhin den Weg zu gehen. Es muss sich vielleicht beim nächsten Mal anders und besser rechnen.

Aber das ist eigentlich so das, was ich jedem nur empfehlen kann: Wirklich von der Sache überzeugt sein, Mut zu haben, viel Arbeiten zu wollen und können und vor allem auch eine gewisse Konsequenz an den Tag zu legen. Es gibt so viele Meinungen, die sie hören und so viele, die es besser wissen, aber es gibt auch ganz, ganz viele, die meinen es nicht nur besser zu wissen oder Nörgler. Sie können es nie Allen Recht machen. Ich sage immer: Man muss das, was man macht, transportieren. Ich glaube, bei mir merken relativ viele Leute, dass ich dahinter stehe. Es gibt auch Leute die mir Absagen erteilen. Damit kann ich wunderbar leben, wenn sie die Absage ganz höflich und nett formulieren, und zum Beispiel sagen: „Herr Wirtz, das ist es nicht“. Das ist alles in Ordnung, das gehört dazu. Aber es muss einfach so sein, dass Sie von der Sache überzeugt sind. Denn wenn sie davon nicht überzeugt sind, das merkt der Kunde sofort.

Im Anschluss an das Interview verriet uns Clemens Wirtz noch seinen Traum: Ein gläsernes Restaurant über der Sieg. So könne man während des Essens rechts und links die Aussicht genießen. Noch hört es sich nach einem Traum an, aber vielleicht erfüllt er sich ihn ja doch.

2 Kommentare

  • Schoener Gruss von einem Hennefer, der in die weite Welt gegangen ist, weil das kleinbuergerliche Hennef der 70er kaum etwas zu bieten hatte und hoffentlich dann doch wohl besser geworden ist. Es sind ja eher die Innovationsaengste und fehlende komunale Begeisterung, die ueberwunden werden muessen um einen konservativen Stadtrat entweder abzuloesen oder zu ueberzeugen, denn Talente und tuechtige Leute wie Herr Wirtz koennten aus der kleinen Siegmetropole wirklich etwas machen. Palo Alto war auch einmal ein Hennef!!! Gruss an alle Hennefer/innen, neue oder Eingeborene, Zurueckgebliebene oder Welt-Henneferaner, denn am Siegufer haben wir Alle einmal gelacht oder geweint!

Ihr Kommentar