Leben

Autorin Susanna Ernst im Interview

Susanna_Ernst

„Das Leben in meinem Sinn“ ist der Titel des Buches von Susanna Ernst, das die Autorin am 4. Februar in der Buchhandlung am Markt in Hennef vorgestellt hat. Knapp 40 Zuhörer kamen, um Auszüge aus dem Buch kennenzulernen und Frau Ernst Fragen zu dem Werk zu stellen. Wir hatten die Gelegenheit, vor der Veranstaltung mit der Autorin zu sprechen.

Frau Ernst, wie kommt es, dass Sie Ihr Buch gerade hier in Hennef vorstellen?

Zum einen, weil ich ganz in der Nähe wohne. Zum anderen ist es so, dass es nicht so besonders viele Buchhandlungen gibt, die Lesungen anbieten. Mit Herrn Madel bin ich hier auf jemanden sehr offenen gestossen, der direkt bereit war zu einer Lesung. Aber es ist insgesamt sehr schwierig geworden Buchhandlungen zu finden, die Lesungen anbieten.

Ich wohne hier, ich habe einen Brotjob hier und bin nicht so wahnsinnig flexibel, was das hin- und herfahren angeht. Klar, wenn es gefragt wäre, würde ich auch Lesungen in entfernten Städten geben, aber ich bin jetzt erstmal auf die Buchhandlungen hier in der Umgebung zugegangen.

Sie sprachen vom „Brotjob“ – womit verdienen Sie denn Ihre „Brötchen“?

Ich bin Bankkauffrau und arbeite halbtags, weil ich zwei Kinder habe, abends gehe ich der Schreiberei nach.

Uwe Madel und Susanna Ernst

Uwe Madel und Susanna Ernst

Woher nehmen Sie denn die Ideen für Ihre Bücher?

Das ist ganz unterschiedlich. Das erste Buch das ich geschrieben habe, „Deine Seele in mir“, basiert auf einem Albtraum, der mich Zeit meines Lebens begleitete und den ich mir im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele geschrieben habe – und den ich seither auch los bin. Im Gegensatz dazu kam die zweite Idee kam mir, als wir hier ganz in der Nähe auf dem Gewerbefest in Oberpleis waren, und ich einem davon schwebenden Luftballon zusah.

Das sind manchmal nur so kleine Filzelchen; ich kann gar nicht sagen, dass ich direkt für eine ganze Geschichte habe. Das fühlt sich eher so an, als ob man auf ein Fädchen stösst, man beginnt dann langsam daran zu zupfen und dann kommt immer mehr nach, und irgendwann hat man genügend Stoff, um daraus die Geschichte zu stricken. Da ist so eine Grundidee, die lässt einen nicht los und die arbeitet in einem weiter, und irgendwann wird es zu voll in einem und man muss anfangen zu Schreiben – so fühlt sich das an.

Sie sagten, Ihr erstes Buch basiert auf einem Albtraum. Daher kommt wahrscheinlich auch Ihr Credo „Schreiben befreit“?

Genau! Ich bin mittlerweile der Überzeugung, wenn diese Geschichten in einem drin sind und in einem brodeln und gären, dass man irgendwann an den Punkt kommt, wo geschrieben werden muss. Dann fühlt es sich auch richtig gut an. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit Schnee: Sie haben eine Grundidee und fangen an, die langsam zu Rollen und entweder sie wird immer größer und größer, oder es verpufft und es ist nichts mehr dahinter. Die lassen einen dann los und werden ad acta gelegt. Aber die Ideen, die in einem immer größer werden und die irgendwann zu viel Platz brauchen, die müssen raus und befreit werden.

Ich schreibe eigentlich immer auf der durchgesessesten Stelle unserer Couch: mit ausgestreckten Beinen, dem Laptop darauf. Nicht am Schreibtisch, am liebsten vor dem Feuer im Kamin – ganz gemütlich. Und dann stört es mich auch nicht, wenn meine Mann daneben sitzt und Fernsehen guckt, da bin ich in meiner eigenen Welt.

Was würden Sie einem jungen Autor empfehlen, der gerade mit dem Schreiben beginnt?

Kritikfähig zu sein, sich Leser zu suchen, die einem nicht nach dem Mund reden, keine Verwandten am besten oder beste Freunde, weil die nicht unvoreingenommen sind. Es gibt viele Online-Communites: Eine über die ich selbst angefangen habe ist http://www.neobooks.com, wo man seine Texte einstellen und sie von anderen bewerten lassen kann, die nichts mit einem zu tun haben, einem die ehrliche Meinung sagen. Natürlich sind da auch manchmal dabei, die, wenn ein Text besonders gut angenommen wird, einem einfach mal einen reinwürgen wollen; sei es aus Neid oder sonst welchen Gründen. Aber dafür bekommt man ein Gespür, ob das eine erst zu nehmende Kritik ist, oder nicht.

Ansonsten Kritik offen annehmen, auf sich wirken lassen und gucken, was man davon umsetzen kann, ohne sich zu verbiegen. Damit bin ich auch sehr gut gefahren.

Was bevorzugen Sie – das E-Book oder ein gedrucktes Buch aus Papier?

Ich nutze alle beide. Gerade meine Bücher sind zu erst als E-Books erschienen und haben über diese Schleife den Weg zum Taschenbuch gefunden. Gerade das erste wird jetzt auch in eine Fremdsprache übersetzt und ist auch als Hörbuch mittlerweile erhältlich. Das hätte niemals geklappt, wenn es das anfangs nicht als E-Book gegeben hätte.

Ich bin damals auch sehr kritisch an diese ganze E-Book-Geschichte heran gegangen. Ich habe einen E-Book-Reader gewonnen und ihn wirklich auch schätzen gelernt. Wenn man in den Urlaub fährt: Bevor ich sieben oder acht Bücher mitschleppe und damit mein halbes Urlaubsgewicht schon im Koffer belege, habe ich jetzt meinen E-Book-Reader dabei und lade mir kurz mal was runter.

Aber auf der anderen Seite ersetzt nichts den Geruch von Büchern; das Fassen, das Ansehen, dass ins Regal stellen und Liebhalten. Bücher die ich auch als E-Book gelesen habe und mich begeistert haben, kaufe ich danach als gedrucktes Exemplar – weil ich sie haben muss, weil ich sie anfassen muss!

Der Liebesroman „Das Leben in meinem Sinn“ von Susanna Ernst ist für 9,99 Euro im Knaurverlag erhältlich.

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