Politik

„Auch in Hennef sind die Flüchtlinge willkommen“

Bundesweit ruht die Betreuung der großen Zahl von Flüchtlingen vor allem auf den Schultern von ehrenamtlichen Helfern. Ein besonders engagierter „Ehrenamtler“ ist Hans-Josef Dresen. Er hat 30 Jahre in Geistingen gelebt und arbeitet seit 2012 als Vorstandsmitglied für den Ortsverein Hennef der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dort setzt er sich besonders für die Flüchtlinge ein: Dresen koordiniert die Unterstützung, holt auch persönlich Spenden ab und ist vor Ort tätig. Im Interview spricht er offen über die aktuelle Situation in Hennef.

International wird die Willkommenskultur in Deutschland gelobt. Wie erleben Sie das in Hennef?

Aufgrund der Hilfsbereitschaft der Hennefer Bürger, durch Spenden oder auch als Helfer und auch durch geführte Gespräche, habe ich persönlich das Gefühl, dass auch in Hennef die Flüchtlinge willkommen sind. Es sind auch einige Bürger da, die gerne mit den Flüchtlingen persönlichen Kontakt hätten, so zum Beispiel mit den Flüchtlingen spazieren gehen möchten usw. Das wird allerdings in Hennef von den Verantwortlichen der Stadt abgeblockt. Dieses Angebot wurde von der Betreuung am Berufskolleg, durch den Rhein-Sieg-Kreis mit offenen Armen gerne angenommen, aber leider ist der Rhein-Sieg-Kreis ja an dieser Unterkunft raus.

Sie haben die Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Hennef“ ins Leben gerufen, wo sich hilfsbereite Bürger austausche können. Wie ist die Resonanz dort?

Die Resonanz ist in dieser Gruppe sehr gut, wobei ich allerdings feststellen muss, dass hier mehr Hilfsangebote und Spendenangebote sind, als sie von der Stadt Hennef bzw. deren Verantwortlichen angenommen werden. Es ist für mich persönlich unvorstellbar, dass Kleiderspenden zum Teil abgelehnt werden, mit der Begründung, dass die Lager voll sind.

Scheinbar ist man sich nicht bewusst, dass diese Leute ein zweites Mal nicht mehr spenden werden und die bereits aussortierte Kleidung wahrscheinlich in die Altkleider geben. So werden zum Beispiel beim Flüchtlingsnetzwerk Lohmar grundsätzlich keine Spenden abgelehnt, sondern bei Bedarf ein weiteres Lager gesucht.

Wie sieht die konkrete Unterstützung der Flüchtlinge bei der AWO Hennef aus?

Zur Zeit arbeite ich alleine für die AWO-Hennef in der Flüchtlingshilfe mit voller Unterstützung des Vorstand und in Zusammenarbeit mit dem AWO-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg. Meine hauptsächliche Tätigkeit beschränkt sich derzeit darauf, wenn dann mal Nachfragen für Hilfe bei mir ankommen, diese entsprechend in Facebook und im Internet zu suchen oder zu vermitteln. So konnte ich dem Jugendamt Hennef mehrere Personen für den Deutschunterricht und die Kinderbetreuung vermitteln. Ferner stellten wir von der AWO unseren Pavillon für Deutschunterricht und Kinderbetreuung zur Verfügung.

Selbstverständlich fahre ich auch zu Leuten die etwas spenden möchten, aber keine Möglichkeit haben diese zu bringen und hole sie dort ab. Weitere Unterstützung wäre durchaus denkbar, wenn eine bessere Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt Hennef stattfinden würde, hier insbesondere ein laufender Austausch von aktuellen Informationen und ein entsprechender Abruf von Hilfe. Hierbei habe ich persönlich den Eindruck, dass Hilfe von außen bewusst abgeblockt wird.

Wie kommt der Deutschunterricht für die Flüchtlinge im Pavillon der AWO an?

Laut Rückmeldung kommt der Deutschunterricht dort sehr gut an, weil auch entsprechend Platz vorhanden ist Jedenfalls sind beim Deutschunterricht immer mehr Teilnehmer anwesend, als im Vorfeld geplant war.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit den Flüchtlingen in Hennef gemacht?

Bei der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft am Berufskolleg wurde ich vom dort zuständigen Leiter des Sozialamt Rhein-Sieg-Kreis gefragt, ob ich den Rhein-Sieg-Kreis dort unterstützen würde, was ich sofort zusagte und dem entsprechend einen Ausweis bekam, der mir den Zugang zur Unterkunft gewährte. Hierdurch hatte ich einigen Kontakt mit den Flüchtlingen und auch den dort tätigen Helfer. Der Kontakt mit den Flüchtlingen war sehr gut, sehr freundlich und sie bedankten sich bei jeder Gelegenheit. Herrlich war für mich, wenn ich dort persönlich Spielsachen für die Kinder abgegeben habe und schaute in die glänzenden Augen der Kinder, die auch schon “ Danke “ sagen konnten.

Leider wurden von der Stadt Hennef, für die Unterkunft Am Kuckuck, Spielsachen bisher abgelehnt. Zur Unterkunft am Kuckuck habe ich leider keinen Zugang und konnte somit mit den dort ansässigen Flüchtlingen bisher keinen Kontakt aufnehmen, höchstens mal draußen vor der Unterkunft, der dann aber auch sehr nett und freundlich war.

Wie können sich weitere Bürger engagieren, sprich, was wird dringend benötigt?

Über den neuesten Stand von benötigten Spenden bin ich zur Zeit nicht informiert, da in den letzten Tagen beide Unterkünfte wieder neu belegt wurden. Wer gerne in der Flüchtlingshilfe tätig werden möchte, kann sich per Mail unter jupp-dresen@t-online.de, an mich wenden und ich werde dann versuchen, das Hilfsangebot entsprechend weiter zu geben.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – wie würde er lauten?

Eine kontinuierliche und informative Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen beider Flüchtlingsunterkünfte, wodurch im Prinzip die Arbeit für diese Leute erleichtert würde und den Flüchtlingen mehr Hilfe zugute käme.

Foto: privat

12 Kommentare

  • Danke für die detaillierte Darstellung. Irgendwie kommt dabei die Stadt (-Verwaltung) ja nicht so gut weg. Hatte sie – die Stadtverwaltung – denn Gelegenheit zur Äußerung?

    Das Interview wirkt auf mich als einseitige Darstellung einer – sicherlich namhaften – Einzelperson, die ich nur ein wenig kennengelernt habe. Aber sind seine wiederholten kritischen Anmerkungen auch berechtigt?

    Der andere Teil (Lob und Dank an helfende Bevölkerung) trifft voll zu.

    • Vielen Dank Herr Hartwig für das Feedback. Natürlich ist ein Interview eine einseitige Darstellung, das liegt in der Natur der Dinge. Uns war es aber wichtig, einen so engagierten Bürger zu Wort kommen zu lassen und ihm die Möglichkeit zu eröffnen, seine persönlichen Eindrücke zu schildern. Wir werden in Kürze auch der Stadt die Gelegenheit geben, ihre Sichtweise darzustellen.

    • Danke für den Kommentar.

      Ich freue mich auf die Richtigstellung der Stadtverwaltung Hennef.

      Denn dort kommt der nette Herr Dresen nämlich nicht gut weg. Ich denke jedoch, dass die sehr kompetenten und hilfsbereiten Mitarbeiter/innen der Stadt Hennef soviel Stil und Respekt besitzen, über die Situation bzgl. des Herrn Dresen zu schweigen. Dort arbeiten sehr motivierte Mitarbeiter/innen, die seit Monaten auf ihre Wochenenden verzichten um in den Notunterkünften zu helfen. So habe ich es jedenfalls kennengelernt.

      In der momentanen Situation ist es einfach nur peinlich und lächerlich, sich so zu profilieren und andere in den Dreck zu ziehen.

      • Hallo Frau Beck,
        wir lesen die Aussagen von Herrn Dresen so nicht, dass er die kompetenten, engagierten und hilfsbereiten Mitarbeiter kritisiert – geschweige denn „in den Dreck zieht“. Seine Kritik zielt auf zwei Entscheidungen ab, bei der wir bei der Stadt wie angekündigt nachfragen werden. Da Herr Dresen nicht persönlich wird, möchten wir Sie bitten, das auch nicht zu sein.

  • Sehr geehrte Frau Beck,
    wenn sie sich schon anmaßen, über mich zu Urteilen, obwohl sie mich nicht kennen, dann sollten sie hierbei wenigstens fair und anständig agieren.
    Ich habe in meinem Interview niemanden in den Dreck gezogen und auch niemanden direkt angegriffen.
    Auch ich betrachte die Tätigkeit der dort arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sehr viel Respekt und Hochachtung.
    Meine Kritik bezieht sich auf die angebotene Hilfe gegenüber der Stadt Hennef, die zum großen Teil nicht angenommen wird bzw. nicht akzeptiert wird, wobei es aber gerade für die Mitarbeiter/innen die sie ansprechen, einige Arbeitserleichterungen wären.
    Ich brauche mich auch hier nicht zu profilieren, sondern bin dem Wunsch nach einem Interview des Hennef Magazin nachgekommen.
    Aber Frau Beck, wenn ich mir ihren Kommentar zu durchlese, komme ich immer mehr zu der Überlegung, meine ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe Hennef einzustellen, da ich meine Freizeit auch anderweitig verbringen kann.

    • Ich habe mir die Kommentare hier mal unvoreingenommen durchgelesen… Hierzu fällt mir nur eins ein: Das Internet ist für solche „Probleme“ nicht der richtige Ort für Diskussionen. Hier hilft nur der persönliche Kontakt.

      @Herr Dresen
      Warum nehmen Sie nicht Kontakt auf mit den politischen Parteien in Hennef? Leider lese ich von Ihnen immer nur in Facebook oder ab und zu mal in der Zeitung. Über diesen Weg können auf Anfragen in den entsprechenden Ausschüssen gestellt werde und auch fragen können hier beantwortet werden…

      @Frau Beck
      Und manche Kommentare sollte man sich besser auch mal sparen… Auch in der Anonymität des Internets

      Mit freundlichem Gruß
      Martin Siefen

  • @ Herr Siefen
    Ich gebe ihnen recht, wenn sie sagen, dass das Internet nicht der richtige Weg ist, um Probleme zu lösen. Hierzu möchte ich ihnen mitteilen, dass das Hennef-Magazin mich um ein Interview gebeten hat, womit ich einverstanden war, aber dann auch die Fragen offen und ehrlich beantwortete.
    Zum Punkt der Politiker – ich habe mit Herrn Hartwig, der auch im Stadtrat der Stadt Hennef ist, einige Gespräche geführt, da dadurch die bestehende Probleme konkreter kennt, als ich sie im Interview geschildert habe, denn ich habe in dem Interview bewusst konkrete Namen und Ämter weg gelassen.
    Hierzu kam allerdings kein Angebot, diese Probleme in seine Fraktion oder in den Stadtrat zu bringen.
    Ansonsten weiß ich zur Zeit nicht, an wen, über welchen Weg, ich mich an die Politiker wenden könnte.
    Sollten sie in Hennef politisch aktiv sein, stehe ich ihnen gerne für weitere, konkrete Aussagen zu Verfügung. Für eine eventuelle Kontaktaufnahme hier meine E-Mail-Adresse: jupp-dresen@t-online.de

    • @ Herr Siefen
      der von mir angesprochen Herr Hartwig wurde von mir mit Namen benannt, da er auch hier einen Kommentar abgegeben hat.

  • @Jupp Wie wärs mal mit etwas Selbsterkenntnis und evt. sogar Selbstkritik?

    Zum Rest Deiner Erinnerung an mich folge ich dem geschätzten Martin S. Meine Nummer hast Du.

  • möchte hier nur kurz mitteilen, dass ich aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen, meine Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe, sowohl in Hennef wie auch auf Kreisebene, per sofort eingestellt habe.
    “ Es gibt Sachen, die braucht man nicht “ !!!!

    • Sehr gut , es gibt sachen die braucht man nicht, wie zb. Flüchtlinge welche keine sind ! Wenn ich auf der Flucht vor Krieg bin , fliehe ich in das nächste sichere Land, in den Falle die Türkei! Wenn ich 7 oder 8 sichere Länder durchquere um in ein bestimmtes Land zu kommen , bin ich kein Flüchtling sondern ein Wirtschaftsmigrant.
      WERDET ENDLICH WACH

      • Frank Stein, mäßige Dich, Du solltest hier keine Unwahrheiten verbreiten. Man ist kein Wirtschaftsflüchtling wenn man z.B. als syrischer Kurde aus der Türkei nach Deutschland flieht. Denn sicher und gleichberechtigt lebt man als Kurde in der Türkei nicht. Und viele Länder nehmen gar keine Flüchtlinge auf, so dass vielen Flüchtlingen gar nichts anderes übrig bleibt, als weiter nach Deutschland zu fliehen. Wenn Du Dich selbst in so einer Situation befändest, würdest Du hier nicht solchen Unwahrheiten verbreiten.

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